Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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29 erlangten, ganz abseits vom bürgerlichen Gremium, direct von der Regierung das „k. k. priv. Grosshandlungs-Privilegium". Diese einzelnen vertraten dann später in dieser Corporation in jranz spärlicher Weise unseren eigentlichen Handel. Das bekannteste dieser Häuser war Jos. Boschans Söhne. Wer aber zur Erlangung dieser „k. k. Grosshandlung" das Vermögen und die Protection nicht aufbrachte, musste Wege gehen, von denen die heutige Generation keine Ahnung hat. 1799 etablierte Josef Turnowsky aus Stetten bei Iglau seinen christlichen Buchhalter als seinen Firmaträger in Wien, um dort auch ausserhalb des Stadtmarktes die mährische Wollware verkaufen zu dürfen. Als in den Zwanzigerjahren dieser Christ starb, musste sich einer der Chefs, Julias Turnowsky, augenblicklich taufen, um nicht sammt seinem Geschäfte ausgewiesen zu werden. Er liess aber seine Söhne gleich mittaufen, um für die Noth getaufte Chefs auf Lager zu haben. Nun, zur Taufe entschlossen sich nur wenige. Ein anderer klassischer nur von wenigen gekannter und nur selten betretener Weg war jener, nicht seinen Gott, aber seinen Kaiser zu wechseln, d. h. türkischer Unterthan zu werden und als solcher die tractatenmässige volle Handelsfreiheit zu gewinnen. In dem Schema des Jahres 1845 figurieren unter den echten „Türken" fünfzehn solche falsche mit Namen, wie Gutmann, Spitzberger u. s. w. Der classischeste Ausweg war aber jener, den die Regierung mit Bewusstsein selbst protegierte. Geleitet von dem lebhaften Wunsche, die Industrie zu fördern, verlieh sie ohne Schwierigkeit ein k. k. landesfürstliches Fabriksprivilegium, und der Schutz suchende errichtete auch thatsächlich diesem seinem Handel zuliebe in der Vorstadt eine, wenn auch minime Erzeugung, in welchem Falle er gleichsam statutarisch von der Behörde nie gehindert wurde, neben den wenigen eigenen Erzeugnissen, soviel er wollte und konnte, Waren anderer Fabrikanten zu verkaufen. Speciell diese Latitüde der Behörde kam der Industrie ausserordentlich zustatten. Eine grosse Anzahl dieser zu Fabrikanten gepressten Händler gab bald den Handel auf und forcierte dann umsomehr die Fabrication. Ich nenne Ihnen von denselben nur die jetzt wohl grösste Seidenzeugfabrik Oesterreichs, jene nämlich von S. Trebitsch und Sohn, deren Gründer ich als kleinen Händler in einem winzigen finsteren Laden des Sinai'schen Hauses in der Pressgasse noch wohl gekannt habe. Der usuelle Weg jedoch, den nie meisten betraten, war der sogenannte „Schutz", denn jeder der Privilegierten, auch diese „türkischen Grosshändler", die echten wie die falschen, in den mannigfachsten Formen gewähren konnten, aber natürlich immer nur gegen hohes Schutzgeld gewährten. Fassen wir diesen jüdischen Handel ins Auge, die Ausdehnung desselben und seine Verbreitung, so können wir nur das Talent und die Ausdauer anerkennen, mit der diese Juden unter solchen