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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-12-01 · 12 (12.1902) · p. Seite 28

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
12 (12.1902)
Date
1902-12-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
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28 genannten Iglauer Artikel hingegen : Molldone, Flanelle, Schwoner u. s. w., auf welche die Iglauer Et zeujgrung gesunken war, wurden seit alter Zeit von jüdischen Händlern zur Zeit des Wiener Stadtmarktes hierhergebracht und in den Thoreingängen der Häuser am alten Fleischmarkte verkauft. Mit dem steigenden Bedarfe, namentlich in den Alpenländern, den Hauptconsumonfen damals für Tuchartikel, machten sich diese bisherigen Marktbesucher hier stabil, und als dann die Mode von diesen glattfärbigen Strichtuchen auf gestreifte, carrierte, überhaupt gemusterte und blankgeschabte Ware übergieng, Struks, wie man sie damals nannte, Brünn sich dieser für seine Industrie besonders geeigneten Ware bemächtigte, sie forcierte, mit dieser Ware stetig stieg, nahmen diese Händler, welche bisher nebst Molldonen, Flanellen und Casimiren nur Wildenschwerter, Trübauer, Zwittauer und Jägerndorfer Tuche geführt hatten, diese Brünner Modeware mit in ihren Geschäftskreis auf und schufen das Wiener Engros-Tuchgeschäft. Die Geschichteder nahezu hundert Jahre alt gewesenen Häuser A. Pollaks Sohn, Turnowsky, Franz Koritschoner u. a. würde diese meine Darstellung genau bestätigen. Ich möchte aber überhaupt das Gesagte durch einige weitere, mir zur Hand liegende Beispiele illustrieren. Nicht etwa durch verschollene Firmen aus den ersten Zeiten dieses wirtschaftlichen Processes, sondern durch einige seiner letzten Ausläufer, durch Namen, die Ihnen allen noch geläufig sind. Sie kennen beispielsweise die Namen H. Stiassny, Krall, Franz i?,d David Neumann, Jonas und Michael Fröhlich. Die alten Herren aller dieser Firmen waren von Hause aus sämmtlich grosse „Marktenfahr eru gewesen, die schliesslich in Wien blieben, um an die anderen Hausierer und Provinzler zu verkaufen. Von den grossen Cotton-Zwischenhändlern waren Isak Breuer, Rüben Löwy, aus dessen Geschäft das ungleich grössere seines Schwiegersohnes Sigmund Pollak hervorgegangen, Salomon Mayer, ebenso Waerndorfer, durchwegs Provinz -Engrossisten, die von Pressburg zu gleichem Zwecke hierher übersiedelt sind. Und genau so waren, um auch aus anderen Branchen Beispiele zu bringen, von den „Nürrenbergern" Anton Bing in Nikolsburg, die Kanitz in Pest und Biach in Pressburg Kaufleute gewesen; hatten die Seiden- und Garnhändler Koppel Benedikt, Wolf Bachrach, Wolf Kohn sämmlich zuerst in Nikolsburg „gehandelt". Natürlich standen damals solche Etablierungen mit den in Wien geltenden Gesetzen in Widerspruch. Waren die Etablierten doch ausnahmslos Juden, denen in Wien auch nur zu wohnen mit Ausnahme der wenigen tolerierten Familien nicht gestattet war. Auf welchem Umwege wurden nichtsdestoweniger diese Geschäftsbetriebe möglich? Einige wenige — der Steuer und des Fondsausweises wegen waren dies nur die Vermögendsten imstande —

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