Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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seinem Markte alle anderen überflügeln musste, weil es den mährischen ProduetioQSorten und den immer wichtiger werdenden ungarischen Consumenten zunächst gelegen war. Zu jener Zeit war aber auch einer der wichtigsten dieser Messen der „Wiener Stadtmarkt\ Wir können diese einstmalige Bedeutung des „Wiener Stadtmarktesu der heutigen Generation kaum mehr begreiflich machen. Trotzdem reicht sie bis knapp an unsere Zeit heran. Es lag noch vor nicht gar so vielen Jahren in der Erinnerung der älteren Kaufleute, dass nicht bloss die kleineren böhmischen und mährischen Weber ihre Waren, sondern auch ene, welche seither zu den heutigen Weltfirmen geworden sind, wie zum Beispiel die L i e b i e g s, ihre Orleans, ihre Tüchel oder Baramatas u. s. w. in den Hutten, welche bald in der Taborstrasse, bald in der Oberen Augartenstrasse standen, verkauft haben. Noch vor vierzig Jahren, innerhalb meiner Erinnerung, hatten die Erzeuger der „Ilumburger Webendie Holfeld, Lorenz, Rudolf u. s. w., die Gewohnheit, nach Wien stets zur Zeit des Stadtmarkies mit ihrer „Ware" zu kommen, obwohl letzterer nur ein „Jahrmarkt" für die Kinder geworden war, sie sozusagen gar nichts mehr angieng. Weiters hatte gerade der Wiener Markt die specielle Anziehung für den Provinzkaufmann, dass die Steirer und Niederösterreicher, die Erzeuger aller der Metallwaren, auf ihm sicherer und zahlreicher als auf den böhmischen und mährischen Städten zu finden waren und dass die Marktgäste zugleich die Gelegenheit wahrnehmen konnten, auch die notbwendigen ausländischen Artikel bei den obenerwähnten „Niederlägern" im Köllner- und Regensburgerhofe einzukaufen. Von zwei Seiten her vollzog sich nun langsam und allmählich, aber stetig und unaufhaltsam eine Aenderung. Die ausschliessliche Marktgelegenheit ward dem rasch auflebenden und wachsenden Gonsum zu eng, dem ungarischen und sonstigen Zwischenhändler zu spärlich. Diese letzteren Kaufleute brauchten sämmtlich jetzt einen Platz, an welchem sie zu jeder Zeit, so oft sie es nöthig hatten, ihren Bedarf decken konnten. Hierzu trat ein noch entscheidenderes Moment. Das Prohibitivsystem Karls des Sechsten, energisch fortgesetzt von Maria Theresia und Josef dem Zweiten, hatte eine österreichische Industrie geschaffen. Der Sitz dieses neuen reichen industriellen Lebens war aber fast ausschliesslich Wien. In dem oben schon erwähnten zweiten Theile meines Buches habe ich eine Entstehungsgeschichte dieser Wiener Industrie zu geben versucht. Sie finden nun in dieser meiner Studie beispielsweise, dass zu jenerZeit dieTextilware in allen ihren Schattierungen in Wien vertreten ist. Erst seit ungefähr dreissig Jahren ist dieselbe von Wien weg fast vollständig auf das flache Land verlegt worden. Damals war mit Ausnahrae der Tuch- und Leinwandweberei die Textilindustrie fast ganz Oesterreichs in Wien zuhause, vielfach hier