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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-12-01 · 12 (12.1902) · p. Seite 23

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
12 (12.1902)
Date
1902-12-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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23 Händen der ganze Engros-Handel in Textilwaren gelegen war, mussten diesen ganzen Absatz versteckt, heimlich vollziehen; ja noch mehr, sie mussten in dieser heimlichen Wirtschaft noch dazu von oben protegiert werden. Denn nicht als ob der Polizei der lebhafte und riesige Verkehr in den engen, vollgepfropften, theuer bezahlten Läden der Press-, Krebs-, Stern-, Salz- und Rosmaringasse, auf der Fischerstiege, Wipplingerstrasse, Salvator-, Seitenstetten- und Kohlmessergasse unbekannt gewesen wäre, sie hat ihn auf das genaueste gekannt. Hätte sie doch sonst stockblind sein müssen. Aber die Oberbehörden, die Hofcommerz-Commission, das damalige „Handelsministerium", sowie die Hofkammer, das „Finanzministeriumwaren sich wohl bewusst, dass, wenn es der löblichen k, k. Polizei-Direction eines schönen Abends eingefallen wäre, hier dem wirklichen Gesetze nach reinen Tisch zu machen, des anderen Morgens der ganze Engros-Zwischenhandel Wiens in Textil-, Nürnberger- und vielen anderen Waren wie mit einem Schwämme weggewaschen gewesen wäre. Die unzähligen Fabrikanten der Vorstadt hätten thatsächlich nicht gewusst, an wen ihre Ware verkaufen! Die Vorstadt wäre insolvent gewesen! Auf diesem Gebiete aber war man oben stets vorsichtig, vorsichtiger als heute, und die Polizei halle demgemäss stille Weisung, diese jüdischen Kaufleute, Elemente, die nun einmal in dem Wiener Geschäftsbetriebe unentbehrlich geworden waren, nicht zu molestieren. Um so unbarmherziger gieng die Polizei gegen die armen Teufel vor, welche in den verschiedensten Berufen Brot für sich und ihre Familie in Wien zu verschaffen suchten, und es war der von dem verhassten Leiter des Juden-Amtes: Wiesenberger, fortwährend betriebenen nächtlichen Aushebungen, Abstrafungen, Abschaffungen kein Ende. Hier angelangt, wirft sich uns natürlich und sofort die Frage auf — und die Beantwortung derselben ist eben das Thema dieses meines Vortrages — wie sind nun die Wiener Juden trotz aller dieser gesetzlichen Gitter und Fangeisen zu diesem förmlichen Monopol im Textil-Engroshandel gelangt? Um die Genesis desselben darzulegen, müssen wir auf die Entstehung unseres Wiener Grosshandels überhaupt, das ist bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, also gerade bis zu jenem Zeitpunkte, in welchem die Juden, wie oben erzählt, ausgewiesen wurden, zurückgehen. Diese Juden hatten in ihrem Ghetto in der Leopoldstadt einen allerdings nur mässigen En gros-Handel betrieben. Für ihren Detail-Handel besassen sie aber eine Reihe von Läden in der „Stadt". In Paranthese will ich nur anführen, dass diese letzteren zumeist noch aus jener Zeit datierten, als sie ohne Ghetto in der „Stadt" wohnten, aber ihnen zum Verhängnis wurden. Diese Läden ausserhalb des Ghetto waren es, welche den christlichen bürgerlichen Handelsstand dazu reizten, fortwährend auf die Ausweisung der Juden zu drängen. Als sie dieselbe erreicht hatten, stand Wien — ich bitte das

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