Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 ^euilletot)* Die ökonomische Entstehung und Entwicklung der heutigen Judenschaft in Wien. (Vortrag des Herrn Sigmund Mayer, gehalten in der „Oesterreichisch- Israelitischen Union" am 8. November 1902.) Meine Damen und Herren! In dem Vorspiele zu Goethes „Faust" verzweifelt der Theaterdichter, ein Sujet zu finden, durch welches er das Publicum zu fesseln imstande sei. Da ruft ihm die „lustige Person" die Worte zu: „Greift nur hinein ins volle Menschenleben, „Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt, „Und wo Ihr's packt, da ist es interessant!" Auf dieses Goethe'sche Wort bauend, habe ich zum Thema dieses meines Vortrages ein Stück Geschichte des jeden von uns mehr oder weniger umflutenden alltäglichen Lebens gewählt, und hoffe ich für dasselbe Ihr Interesse zu gewinnen, wenn es mir gelingt, dieses Stück Vergangenheit lebendig greifbar vor Ihnen hinzustellen. Doch lassen Sie mich, und zwar anerkennend noch einer anderen Thatsache, gedenken, die mich veranlasst hat, gerade dieses Thema zum Gegenstande meines Vortrages zu wählen* Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde hat den guten, und wenn er gelingt glücklichen Gedanken gehabt, für die Erforschung der Geschichte der Juden in Oesterreich eine eigene historische Gommission einzusetzen. Ein Misslingen haben wir nicht zu fürchten. Die Commission ist zumeist aus wirklichen, von aussen zugezogenen Fachmännern gebildet, und der Arbeits-Ausschuss derselben wird von einem ernsten Historiker von Ruf geleitet. Das alles soll mich aber nicht an dem Versuche hindern, allerdings nicht vom Standpunkte antiquarischen Sammelfleisses, sondern mitten aus dem Leben heraus, dem ja in letzter Linie auch die Wissenschaft zu dienen hat, jene Rüstung anzudeuten, welche ich unter den Aufgaben der Gommission für die dringendste halte. Alles das, was nämlich bisher in der Geschichtsschreibung der Juden geschehen, so Rühmliches auch darin geleistet worden, ist nach einer bestimmten Seite hin sehr wenig genügend. Diese Historik ist für die älteste Zeit eine staatspolitische, für die spätere eine Religions-, eine Dogmen-, eine