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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-12-01 · 12 (12.1902) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
12 (12.1902)
Date
1902-12-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 die Liste des Vereinigten Wahl-Komitees bei den letzten Kultuswahlen bekundet. Aber ich gestehe offen, dass mir viele Gebräuche und Einführungen in der Wiener Kultusgemeinde höchst unpassend erscheinen und ich weiss auch, dass mehrere meiner Bekannten nur aus diesem Grunde sich der Kultusgemeinde gegenüber in einer, wenn auch nicht aktiven, so doch passiven Opposition befinden. Mein Heutiges bezweckt, Sie auf die im Gegensatz zu den niedrigen christlich-rituellen Gebühren geradezu unglaublich hohen Forderungen bei Beerdigungen aufmerksam zu machen, die seitens der Wiener israelitischen Kultusgemeinde auf Grund des vor einigen Jahren vielfach erhöhten Regulativs gestellt werden, Forderungen, die umso ungerechtfertigter erscheinen, als sie dem jeweiligen Ermessen der Kultusgemeinde weiten Spielraum bieten. Wenn bis heute nur selten gegen Vorschreibungen bei Leichenbegängnissen protestiert worden sein mag, so liegt dies wohl darin, dass man bei solchen traurigen Veranlassungen schwerlieh zu Rekriminationen aufgelegt ist. Dies sollte aber seitens der Kultusgemein de nicht missbraucht werden. Ich weiss wohl und schätze dies hoch ein, dass bei uns Juden jedermann umsonst und möglichst würdig begraben wird und ich weiss, dass aus diesem Grunde die Ueberwälzung überhoher Taxen auf die Bemittelten zum Teil gerechtfertigt erscheint. Nichtsdestoweniger scheint mir hier ein doppelter Missbrauch vorzuliegen. Vor allem müsste korrekterweise die ganze aus Beerdigungs- resp. Friedhofseinnahmen erzielte Summein einen Fonds gelegt werden, der nur diesen Zwecken dienen müsste. Dies geschieht meines Wissens nicht, da aus dem Ueberschusse dieses Fonds auch andere Beiträge erfolgen, was mir nicht in Ordnung zu sein scheint, selbst wenn humanitäre Zwecke damit befriedigt werden. Auf diese Art ist das finanzielle Bild der Friedhofskonti ein unrichtiges und muss immer unrichtiger werden. Ferner scheint ein Missbrauch mit der Gratisbeerdigung seitens der Gemeindeangehörigen gemacht zu werden. Denn ich kann mir nicht denken, dass (siehe Bericht der Wiener Kultusgemeinde pro 1900/1, pag. 28) 70°/0 der ansässigen jüdischen Bevölkerung so arm sein soll, dass sie berechtigterweise auf die Gratisbeerdigung Anspruch machen können, und tatsächlich nicht in der Lage sein sollten, die Minimalgebühr von 100 Kr. zu entrichten. Weiter kann ich auch nicht glauben, dass tatsächlich nur 20 bis 25% (laut dem zitierten Berichte) die Mindestgebühr der IV. Klasse pro 200 Kr. zu zahlen in der Lage sind. Ich habe sogar von notorisch Bemittelten gehört, die sich geweigert haben, die ihnen vorgeschriebene mässige Taxe zu zahlen, indem sie auf das Recht der Gratisbeerdigung hinwiesen. Wenn die seitens der christlichen Bevölkerung in Anspruch genommenen privaten Leichenbestattungs-Anstalten allerdings auch horrende Beträge einfordern, so geschieht dies doch nicht seitens der christlich-kirchlichen Behörden. Mit Recht wird bei den Juden kein Wert auf die „schöne Leich" gelegt, wie es bei den ärmsten Katholiken oft der Fall ist, die während ihres ganzen Lebens von ihrem kleinen Verdienste relativ grosse Beträge einem Leichenvereine zahlen, um ein mit ihren Verhältnissen keineswegs in Einklang stehendes prunkvolles Leichenbegängnis zu haben. Dabei sind die Hinterbliebenen oft in bitterster Not infolge des Todes ihres Ernährers, der nicht zu bewegen war, auch nur den kleinsten Teil der Leichenvereinsgebühr für eine Lebensversicherung aufzuwenden. Bei uns Juden scheint es aber insoferne noch ärger zu sein, als die armen Juden teils aus Aberglauben, teils aus der gleichen Unvernunft weder an eine Lebensversicherung, noch an ihre Beerdigung denken. Ich würde es nur freudig begrüssen, wenn die alte schöne jüdische Sitte noch bestehen würde, dass Arm und Reich im einfachen hölzernen Sarge mittelst einer Art Kondukt begraben würde, ebens

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