Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9756662-9602426-9602714--0553-9602723- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
liehen Verhältnisse differentiell behandelt wird, und so könnte es auch möglich sein, dass man in St. Veit a. G. anders spricht, als etwa in Leipnik oder in Olmütz. Wenn der Bericht in den „Kärntner Nachrichten" mit den tatsächlichen Ausführungen des Herrn Novotny nicht im Einklänge gestanden ist, so wäre es Pflicht dieses Herrn gewesen, die unrichtige Wiedergabe seiner Redein jenem Blatte richtigzustellen. Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Schadenersatzklage jüdischer Geschäftsleute. Am 3. Dezember fand beim Zivil-Landesgerichte die erste Tagfahrt in einem bewerkenswerten Schadenersatzprozesse statt. Als Kläger erscheinen 58 Wiener Firmen, vertreten durch Dr. Wilhelm Pappenheim. Das Substrat der Klageansprüche bildet ein Zeitungsartikel, der in der Morgennummer des „Deutschen Volksblattvom 3. Oktober 1902 stand. In diesem Artikel war eine Anzahl Firmen namentlich angeführt, die an diesem Tage, dem ei sten des jüdischen Neujahrsfestes, ihre Geschäftslokale geschlossen hatten. Der in Rede stehende Artikel führt dann weiters aus: „Zu Nutz und Frommen derer, die Antisemiten nicht nur dem Worte nach, sondern auch der Tat nach sein wollen, seien im Folgenden jene Geschäfte angeführt, die in Wien an den „hohen Feiertagen" auf das christliche Geld „pfeifen", indem sie in der Millionenstadt, wie es allenfalls in einem galizischen Krähwinkel am Platze ist, geschlossen haben. Der echte Antisemit wird an den Tagen, die für den Juden nicht Feiertage sind, die Konsequenzen ziehen. Es gibt zum Glücke noch genug christliche Geschäfte in Wien." Durch Veröffentlichung dieses Artikels erachteten sich die klägerischen Firmen beleidigt und durch die Aufforderung zum Boykott, wie es in der Klage heisst, schwer geschädigt. Die Klage richtet sich gegen Ernst V e rgani als Herausgeber und Georg Ruh s am als verantwortlicher Redakteur des „Deutschen Volksblatt". Die Kläger sprechen je 20 Kr. Entschädigung, zusammen 1160 Kr., an. Als Vertreter der Geklagten erscheint Gemeinderat Dr. Robert Grub er. Entführung einer Minderjährigen ins Kloster. Im Septemberhefte unserer „Monatsschrift" berichteten wir auf Grund einer Mitteilung des zionistischen Distriktskomitees in Stanislau, dass die 14—15jährige Feige Pistreich, Tochter der Frau Rachel Pistreich aus Uhmilow bei Tlumacz, am 18. August d. J. durch einen Schmied aus Jeziorzani, namens Michael Bittner, ins Nonnenkloster zu Maryampol entführt wurde. Unser Rechtsschutzbureau hat die erforderlichen Schritte eingeleitet, welche zur Folge hatten, dass gegen Michael Bittner die