Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9756662-9602426-9602714--0552-9602722- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
liberalen Wahl-Komitee, besonders aber vom Präsidenten des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, der als Jude besonders unangenehm berührt sein muss, sofern die im „Deutsche Volksblatt" enthaltenen Mitteilungen über den von ihm empfohlenen Herrn Schweitzer auf Wahrheit beruhen, erwarten wir nunmehr volle Aufklärung. Mitteilungen der „Oesterr.-Israelit. Union". Der „judenreine" Deutsche Schulverein. In Nr. 10 unserer „Monatsschrift" berichteten wir nach den „Kärntner Nachrichten", dass der Wanderlehrer des „Deutschen Schulvereines" Herr Novotny in einer Wanderversammlung zu Sr. Veit a. G. ausgeführt habe, der „Deutsche Schulverein" gewinne auch in akademischen Kreisen mehr Anhänger, da er nun Judenrein" sei. Infolge dieser Notiz wendete sich unser Vereinsmitglied Herr M.-U.-Dr. Rudolf Heller in Prag-Weinberge an den Obmann des „Deutschen Schulvereines", Herrn Dr. Moriz Weitlof, um Aufklärung und erhielt von demselben unter dem 16. Oktober d. J. folgende Zuschrift: „Die Beantwortung Ihres Geschätzten vom 7. 1. M. verzögerte sich, weil ich die Rückkunft unseres Wanderlehrers Novotny abwartea musste, um denselben über die mitgeteilte Nachricht zu befragen. Derserlbe teilte mir nun mit, dass er bei der Wanderversammlung in St. Veit a. G. lediglich darauf verwiesen habe, dass seit dem Beschlüsse der Hauptversammlung in Troppau, bei welcher den Ortsgruppen auf die Aufnahme der Mitglieder eine gewisse Ingrenz eingeräumt wurde, an den Arbeiten des „Deutschen Schulvereines" nunmehr auch die radikalen Kreise teilnehmen und derselbe auch in akademischen Kreisen immer mehr Anhänger gewinne, woran er die Aufforderung reihte, dass auch die dortigen radikalen Kreise sich dem Vereine anschliessen mögen, welchem alle Deutschen mit nationaler Gesinnung, unbeschadet ihrer politischen Anschauungen, angehören können und sollen. Den Ausdruck Judenrein" gebraucht unser Wanderlehrer überhaupt nicht und konnte denselben auf den Verein umsoweniger anwenden, als ihm sehr gut bekannt ist, dass der „Deutsche Schulverein" viele Israeliten als Mitglieder zählt. Zudem ist Novotny ein genauer Kenner der Verhältnisse in Böhmen und Mähren und weiss daher ganz gut, was es für das Deutschtum dieser Länder für Konsequenzen hätte, wenn daselbst von deutscher Seite der Versuch gemachtwürde, die Israeliten abzustosse n." Herr Novotry stellt also in Abrede, den Ausdruck Judenrein" gebraucht zu haben, und die Begründung Dr. Weitlofs, dass das schon deshalb nicht möglich sei, weil das Deutschtum in den Sudetenländern nicht daran denken könne, die Juden von sich abzustossen, ist ja eine sehr einleuchtende. Allein wir haben wiederholt schon die Erfahrung gemacht, dass die Judenfrage je nach der Verschiedenheit der ort-