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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-12-01 · 12 (12.1902) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
12 (12.1902)
Date
1902-12-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 sammenkunffc in Wien zu proponieren, zumal ich jede Woche einen oder auch einige Tage iu Wien zu sein pflege* Ich vermöchte es ganz leicht so einzurichten, dass ich mich an einem von Ihnen zu bestimmenden Tag (Ort und Stunde der Zusammenkunft ebenfalls ganz nach Ihrer Wahl) zu einer Besprechung einfinden könnte, und erbitte mir Ihre freundliche Rückäusseruflg in diesem Sinne. In dieser angenehmen Entgegensicht habe ich die Ehre, mich Euer Hochwohlgeboren bestens zu empfehlen und zu zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung C. Julius Schweitze r." Infolge dieser Veröffentlichung sandte das liberale Wahlkomitee eine Notiz an die Wiener Zeitungen, worin es mitteilte, dass dieser Brief zweifellos ein Wahlmanöver gewesen seir dass aber die offizielle Richtigstellung infolge des Umstandes, dass sich Herr Schweitzer derzeit auf Reisen befinde, nicht sofort vorgenommen werden könne. Seither ist, soweit uns bekannt, nichts mehr zur Aufklärung in dieser Sache geschehen, und keine liberale Zeitung hatte es der Mühe wert gefunden oder finden wollen, der Sache auf den Grund zu gehen. Damit finden wir die Angelegenheit aber keineswegs abgetan. Wenn die Mitteilung des „Deutschen Volksblatt" tatsächlich auf Wahrheit beruhen sollte, so ist es Pflicht des Präsidiums des bestandenen WahlkomiteesT besonders aber des Präsidenten des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, welch letzterer ohne Zweifel über die Antecedentien des Herrn Schweitzer nicht unterrichtet war, hier endlich Klarheit zu schaffen. Sollte das liberale Wahlkomitee düpiert worden sein, so war es schon längst Pflicht, dies einzugestehen^ umsomehr, als selbst in liberalen Kreisen die Echtheit des Briefes nicht angezweifelt wird. Sollte die Richtigkeit des Briefes aber nicht bestritten werden können, so fragen wir das liberale Wahlkomitee, m:t welchem Rechte es noch in Hinkunft erwarten will, dass die liberalen, speziell die jüdischen Wähler den von ihm nominierten Kandidaten Vertrauen entgegenbringen sollen? Mehr wie je wäre dieser leider nicht vereinzelte Fall ein weiterer Beleg für die Richtigkeit, dass die jüdische Bevölkerung politisch nicht nur nicht selbst hervortreten soll, sondern bis auf Weiteres strenge Wahlenthaltung bekunden und die christlich-liberale Bevölkerung — sofern es noch eine solche gibt — den Kampf gegen Antisemiten und Klerikale allein ausfechten lassen möge. Für die Kandidaten waren die Juden früher, wenigstens vor den Wahlen, „die geehrten Herren Wähler israelitischer Konfession44. In letzter Zeit haben die Herren Kandidaten sich auch vor den Wahlen nicht mehr geniert, jüdische Wähler Versammlungen unbesucht zu lassen und haben es absichtlich vermieden, zur jüdischen Frage Stellung zu nehmen. Soviel Würde sollten wir doch endlich bekommen, dass wir nicht das Stimmvieh für gewisse Herren abgeben, für die es angeblich „keine jüdische Frage gibt", oder dass wir für Sozialdemokraten stimmen, die das Judentum für ihre Person abgeschüttelt haben und offen erklären, dass sie nicht in jüdische Wählerversammlungen gehen können. Vom

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