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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-12-01 · 12 (12.1902) · p. Seite 5

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
12 (12.1902)
Date
1902-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 nicht für stichhältig halten* Wir wünschen — wie gesagt — keine amtlichen nominellen Veröffentlichungen — dies geschieht auch von katholicher oder evangelischer Seite nicht — aber die Einsicht muss gestattet werden, sonst würde dies bedeuten, dass wir nicht den Mut haben, den Austritt unter den heutigen Verhältnissen als eine Feigheit und gesinnungslose Schwäche zu bra idmarken, wie es tatsächlich der Fall ist. Warum sollen gerade wir die zweifelhafte Auszeichnung besitzen, von Fahnenflüchtigen aus dem eigenen Lager „unter den Linden nicht gegrüsst", aber dort, wo es ihnen passt, mit einem „Händedruck unter dem Tisch" beehrt zu werden. Wenn Wallenstein zum schwedischen Oberst sagt: „Wer zu dem Feinde läuft von euch, der hat mit zweien Herren zugleich den Bund gebrochen" so kann man von den getauften Juden mit gleichem Rechte sagen, dass sie nicht nur von uns weg, sondern doch gleichzeitig zu jenen hinlaufen, von denen uns seit 2000 Jahren wahrlich wenig Gerechtigkeit und christliche Liebe zuteil geworden ist. Der einzige Einwurf, den man gegen die von jüdischer Seite geforderte Bekanntmachung der Abtrünnigen scheinbar machen könnte, wäre der, dass man für jene Proselyten freiwillig Reklame mache und ihnen damit den grössten Gefallen erweise. Bezeichnend aber ist, dass gerade die Konvertiten, trotzdem sie ihren Austritt öffentlich bekundet haben und damit gewisse Zwecke erreichen wollen, sehr wohl wissen, dass sie bei der ganzen gesitteten und selbst ungesitteten Welt — einige beschränkte Zeloten vielleicht ausgenommen — sicherlich nicht in der Achtung steigen. Deshalb ist ihnen erfahrungsgemäss auch nichts unerwünschter als die Relevierung des Uebertrittes. Und mit dem Hinweis auf die Schonung der Familie — die übrigens infolge Einverständnisses mit dem Abfalle oft gar keiner Rücksicht bedarf — dürfte man bei konsequenter Durchführung dieses Standpunktes niemals über einen Schuldigen oder über ein Vergehen sprechen oder schreiben; hat doch fast jeder, der sich vergangen hat, Nahestehende, die unschuldig darunter leiden und denen man bedauerlicherweise wehe tun muss. In seinem trefflichen Werke: „Die geistigen und sozialen Strömungen des XIX. Jahrhunderts" sagt der Strassburger Professor Theobald Z i e g 1 e r in dem der antisemitischen Bewegung in Deutschland gewidmeten und durchaus nicht philosemitisch gehaltenen Abschnitte: „Die oberste Schichte—ich meine damit gerade die gebildetsten und edelsten Vertreter des Judentums — waren auf dem besten Wege, ganz deutsch zu werden und deutsch zufühlen; auch im Uebertritt zum Christentum sahen manche nur noch die äussere Besiegelung dieses Verhältnisses. Jetzt traten auch sie ausserhalb des Judentums die erhofften Zwecke nicht prreichen konnten und <iie jüdische Matrikel als .,Retourbillet" auffassen, sollte man anstandshalber verzichten können.

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