Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-12-01 · 12 (12.1902) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
12 (12.1902)
Date
1902-12-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/9756662-9602426-9602714--0547-9602717
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

engere Parteisache verdienten Männer vollkommen begreiflich ist. einen bekannten Gelehrten und für die jüdische Sache schon seit langem hingebungsvoll wirkenden Mann wie Prof. Ehr mann nicht als Kompromiss-Kandidaten akzeptieren konnten, so kann man darin wahrlich nicht jene unbefangene und gerechte Würdigung sachlicher Qualifikation erblicken, die auch dem Gegner gegenüber stets am Platze sein sollte. Zum Schluss noch ein Wort bezüglich der ^.politischen Vertretung". Dass jüdische Interessen in den öffentlichen Körperschaften immer weniger Berücksichtigung finden, ist ohne Zweifel richtig, doch vermögen wir — vom statutarisch vorgeschriebenen Wirkungskreise der Kultusgemeinde ganz abgesehen — keinen Grund zu erblicken, weshalb aus diesem Grunde das politische oder nationale Moment in die religiöse Gemeindestube hineingetragen werden soll. Gerade angesichts der heutigen antisemitischen Bewegung, die bisher wenigstens vor den Kultusgemeinden Halt gemacht hat, würden wir dies für den grössten Fehler halten. Noch anfangs der Siebzigerjahre sagte der Wiener Bürgermeister Felder, dass „die Politik nicht in den Wiener Gemeinderat gehöre". Wenn dies auch auf diese politische Körperschaft heute leider nicht mehr zutreffen mag, so sollte man doch nicht in den weit grösseren Fehler verfallen, politische und nationale Momente in eine religiöse Gemeindestube tragen zu wollen. Die nächsten Kultuswahlen werden angesichts des einmal wachgerufeuen Interesses sicherlich noch weit mehr Wähler zur Urne führen. Mögen sie zu Nutz und Frommen der allgemeinen jüdischen Sache eine Einigung und eine einzige Kandidatenliste zeitigen, auf welcher auch die Kandidaten der Opposition — sofern sie in sachlicher und würdiger Form auftritt — insoweit Platz finden, als es dem Verhältnisse der oppositionellen Stimmen gegenüber der Zahl der Wahlberechtigten entspricht. In diesem Sinne einigend und klärend zu wirken, wird die „Oesterreichisch-Israelitische Union" stets als ihre Pflicht ansehen. Austritte aus dem Judentum. Sowohl bei den letzten Wahlbesprechungen des vereinigten Wahl-Komitees, als in der von der Wiener Kultusgemeinde veranstalteten offiziellen Wählerversammlung wurde wiederholt über den Austritt aus dem Judentum gesprochen. Insofern Stimmen laut wurden, die den Kultusvorstand oder den Religions-Unterricht für die Austritte respektive für die Taufen direkt verantwortlich machen wollen, glauben wir uns mit diesen Anschauungen nicht befassen zu müssen. Der Indifferentismus innerhalb der Familie, der uns umgebende Antisemitismus und hauptsächlich die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.