Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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o Wir begreifen, dass jugendliche Zionisten über das Ziel schiessen, wenn sie bei der Agitation für die gute, ideale Sache auf Widerstand und Unverstand stossen; absolut unbegreiflich aber ist es uns, wie ernste Männer im zionistischen Lager gerade die Kultusgemeinde als Streitobjekt ausersehen können, da sie — selbst im Besitze der religiösen Gemeindestube — aus statutarischen Gründen fast auf denselben Wegen wandeln müssten und die zionistische Sache doch nicht in eine allen Juden vorgesetzte Körperschaft tragen könnten. Dabei wollen wir gar nicht davon reden, dass schon aus gesetzlichen Gründen die Förderung von Programmpunkten, wie „Konditionslosenfonds Katastrophenfonds etc.", gelinde gesagt, ein Nonsens wäre, da selbst im Falle des entsprechend erweiterten Statutes der Austritt einer Unzahl — und zwar der steuerk? äftigsten —Juden die erste Konsequenz sein würde. Schon aus der UebereinStimmung der Programme beider Parteien in ihren wesentlichsten Punkten ergab sich die Unnotwendigkeit eines Kampfes. Kindisch wäre es, relevieren zu wollen, welches der Programme früher auf dem Plane war oder wenn man das Gute etwa verwerfen müsste, weil der Gegner die Priorität besitzt. Auch die von beiden Parteien gemeinschaftlich aufgestellten Kandidaten lassen in ihren Personen wahrlich nicht erkennen, dass zwischen den Anschauungen beider Parteien welterschütternde, unüberbrückbare Prinzipien liegen, die einen so masslosen Kampf hätten rechtfertigen können. Die ..Oester reichisch- Israelitische Union'4 hat, trotz zweifelloser Berechtigung, diesmal nicht in die Wahl eingegriffen. Sie war vollkommen frei, zu handeln und niemals wurde eine Erklärung seitens ihres Präsidenten bezüglich einer bestimmten Stellungnahme abgegeben. Dennoch hat der Vorstand, konform mit den persönlichen Anschauungen des Präsidiums, beschlossen, die „Union" nicht in den Wahlkampf eintreten zu lassen, einerseits weil rituelle und kultuelle Angelegenheiten, auch wenn es sich um die grösste Gemeinde des Reiches handelt, ausserhalb des Gesichtskreises einer politischen Organisation gelegen sind, andererseits weil unter den Mitgliedern der „Union*' alle Parteirichtungen vertreten erscheinen, last net least, weil auch das Programm des Vereinigten Wahl-Komitees der Wiener Kultusgemeinde einen grösseren Wirkungskreis vorschreibt, als es mit den Anschauungen des Präsidiums der „Union" derzeit vereinbar ist. Ob unser unparteiischer Standpunkt seitens aller unserer Mitglieder befolgt wurde, wollen wir dahingestellt sein lassen. Wir wollen gewiss keinem der Gewählten die Befähigung abstreiten, dies kann uns aber nicht hindern, den einen für mehr, den anderen für minder qualifiziert zu erachten. Wenn aber unsere in der Opposition befindlichen Mitglieder, deren Eintritt für die Wahl der um die