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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-11-01 · 11 (11.1902) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
11 (11.1902)
Date
1902-11-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 menschlichen Geschlechte überhaupt, dann freilich hätte für uns die Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels keine Bedeutung gehabt. Wir hatten aber diese Meinung von vornherein deshalb nicht, weil wir die Widerstandskraft uns vergegenwärtigen, die allezeit den Juden innewohnte und die auch jenen osteuropäischen Volksteilen es ermöglichte, Jahrhunderte hindurch widrigem Geschick sich entgegenzusetzen, so dass ihr Verfall nur mit bewundernswerter Langsamkeit sich vollzog. So suchten wir denn bereits zu einer Zeit, als ein internationales Vorgehen gegen den Mädchenhandel noch kaum geplant war, unseren Bestrebungen eine breite Grundlage zu geben. Eingehende, mit grosser Umständlichkeit geführte Forschungen führten zu der feststehenden Ueberzeugung, dass das WTerk der Aufrichtung, soweit es der westeuropäischen Beeinflussung zugängig ist, zwar riesengrosse und andauernde Anstrengungen erfordern wird, aber aussichts- und verheissungsvoll ist. Indes ein solches Werk» das den Einflüssen der Verwahrlosung und Vernichtung entgegentreten und sie beseitigen soll, wird so gewaltig sein müssen, dass es mit den Kräften eineseinzelnen Komitees allein nicht durchführbar sein könnte. Wir halten die Auffassung nicht nur nicht für optimistisch, sondern für selbstverständlich, dass wir die Unterstützung und Mitwirkung der Judenschaften aller "Nationen hierzu finden werden, ja, dass die gesamte zivilisierte WTelt, sobald sie die Bedeutung und Tragweite des Unternehmens für die Menschheit kennt, ihm Förderung zuteil werden lassen. Aus diesen Ueberzeugungen erwuchs die Tätigkeit, von der wir schon im Jahre 1900 berichten konnten, dass weiten Kreisen die Anregung zu einem Rettungswerke gegeben worden, dass zu diesem Zwecke der Wiener Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien gegründet worden sei, sowie dass die Einrichtung eines solchen in Deutschland bevorstehe. Der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin ist inzwischen erstanden und der Wiener Verein führt in einem Schreiben vom 22. Juli 1902 an unser Zweig* komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels wörtlich folgendes aus: „Dadurch, dass es uns gelungen ist, während der kurzen Wirksamkeit unseres Vereines, bis jetzt schon nahezu 1000 Mädchen und Frauen in Galizien durch Zugänglichmachung einer dauernden Heimarbeit zu einem Gewerbe zu verhelfen, glauben wir am Wirksamsten in Ihrem Sinne gehandelt zu haben. Arbeit und Erwerb sind allgemein als die rationellsten Heilmittel gegen das Uebel, das Sie bekämpfen, auch in Ihrer Versammlung (vom 8. Juni 1902) bezeichnet worden." In der Tat, derartiges wurde nicht nur in der erwähnten Versammlung erörtert, sondern wir hoben es wiederholt hervor, was rückhaltslos allen, die, sei es grossen oder auch nur geringen Einfluss auf die Geschicke der Menschen besitzen, zugerufen werden muss und was wir in unserer Drucksache vom November 1900 aussprachen: „Schafft Arbeitsfreiheit, die Wurzel menschlicher Schaffensfreudigkeit und Selbstachtung. Nehmt euch dessen, was Menschenantlitz trägt, an, statt Verachtung und Verfolgung gegen Erniedrigte zu üben, und ihr werdet damit den Bann lösen, der eine schier endlos erscheinende Nacht auf die Menschheit niederzwingt.'*' — Wir stützen uns heute mit unserer Auffassung auf die Uebereinstimmung mit der ebenerwähnten, sowie mit den übrigen grossen jüdischen Vereinigungen in Deutschland, Oesterreich, Frankreich, England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika, den Bnei Brifh, dem Deutsch - Israelitischen Gemeindebund, der Oesterreichisch-

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