Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 11 (11.1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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^euilletoi)* Zur Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels. Auf dem vom deutschen Nationalkomitee zur Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels im Oktober d. J. nach Frankfurt a. M. einberufenen Kongresse hat das jüdische Zweigkomitee einen Bericht erstattet, dem wir folgende Ausführungen entnehmen: „In erfreulicher Weise ist man überall zur Bekämpfung und Repression des Mädchenhandels übergegangen. Man sucht die Förderung, die er durch leichtes und rasches Reisen erfährt, durch Kontrolle an Grenzen, auf Eisenbahnen und Schiffen abzuschwächen. Man sucht ihn durch gesetzgeberische und verwaltungstechnische Massregeln zurückzudämmen. In einer Anzahl von Fällen gelingt es, Mädchenhändler durch Strafen zu treffen oder, auch die Durchführung eines oder des anderen Streiches zu vereiteln. Allein alle solche Vorkehrungen können ihrer ganzen Natur nach wohl Erfolge im einzelnen herbeiführen; sie vermögen auch den Ausbruch an bestimmten Stellen zurückzuweisen. Sie werden aber für sich allein nicht verhindern können, dass das, was man in einer Richtung zurückdrängt, nach einer anderen, vielleicht auch in neuer Weise sich Bahn bricht. Sie werden — leider muss es gesagt werden — die durch, das schmachvolle Gewerbe verbreitete Heimsuchung nur wenig vermindern; denn die weite Verzweigung, Umfang, Vielseitigkeit der Mittel und Wege, Verstellungskünste, sodann verlockende Grösse der Gewinne, die mit zunehmender Gefährlichkeit der Unternehmungen wachsen, sind ebensoviele Gegenwirkungen gegen poliziliche und strafrechtliche Bekämpfung. Gewiss ist das Vorgehen von Justiz- und Verwaltungsbehörden, zumal wenn es international systematisch durchgeführt wird, durchaus notwendig; es darf nicht unterschätzt werden. Indes, so wenig Mord, Raub, Betrug und Diebstahl — Verbrechen, zu deren Bekämpfung die öffentliche Meinung aller Länder seit Jahrtausenden erzogen ist — trotz sittlicher Beeinflussung, trotz Todesstrafe, Zuchthaus und Gefängnis aus der Welt zu schaffen sind, so wenig vermag man im Grossen dem gewinnsüchtigen Exporthandel mit weissen Sklavinnen beizukommen, so lange ihm nicht der Nährboden abgegraben wird, dem immer stärker, an Zahl wachsend, die Früchte erspriessen. Der „Einkaufsmarkt für die Ware" — um mit diesem zynischen Ausdruck der Händler das Verhältnis drastisch zu beleuchten — ist natürlich