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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-11-01 · 11 (11.1902) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
11 (11.1902)
Date
1902-11-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Israelitischen Union" stellte den Herren Mandler und Löwy einen Rechtsfreund in der Person des Dr. Josef Winter aus Ung.-Hradisch zur Seite, welcher gegen die Anna Kocian die Verleumdungsklage anstrengte. Ueberdies leitete die Staatsanwaltschaft Ung.-Hradisch die gerichtliehe Verfolgung der Anna Kocian wegen Verbrechens der Verleumdung. der öffentlichen Gewalttätigkeit und falscher Zeugenaussage ein. Es mussten langwierige Verhandlungen mit den ungarischen Behörden wegen Auslieferung der Anna Kocian geführt werden. Schliesslich übermittelte das Kreisgericht Ung.-Hradisch die Akten dem kompetenten kgl. imgarischen Gerichtshofe zu Neutra, welcher nunmehr Anna Kocian verhaftet und die ordentliche Untersuchung gegen dieselbe eingeleitet hat. — Wir Jiaben unseren verleumdeten Glaubensgenossen in der Person des Dr. Sigmund Szeghö einen Anwalt vor dem ungarischen Gerichte bestellt. In unserem diesjährigen Maihefte berichteten wir, dass die bei dem jüdischen Delikatessenhändler Leopold Adler in Jägerndorf bedienstete 18jährige Maria Hahnel ihren Dienstgeber am 15. April d. J. beschuldigt hatte, er habe ihr nachts, während sie schlief, an den Füssen Schnittwunden beigebracht und Blut abgezapft. Unsere an Ort und Stelle eingeleiteten Erhebungen ergaben den verleumderischen Charakter djieser Beschuldigungen und wir wandten uns an das Justizministerium mit der Bitte, die Staatsanwaltschaft in Troppau mit der Einleitung des gerichtlichen Verfahrens zu beauftragen. Am 17. Oktober d. J. hat nun vor einem Erkenntnissenate des Troppauer Landesgerichtes unter Vorsitz des Landesgerichtsrates Peschek die Verhandlung gegen Maria Hahnel wegen Verbrechens des Betruges durch Ablegung einer falschen Zeugenaussage, sowie wegen Verbreitung falscher", beunruhigender Gerüchte stattgefunden. Aus dem Gutachten der Gerichtsärzte ergab sich, dass die Schnittwunden an der Fusssohle nur ganz oberflächlich und gar nicht unter die Epidermis gedrungen waren, so dass mit grosser Wahrscheinlichkeit behauptet werden kann, dass sich die Hahnel, eine hysterische Frauensperson, diese Verletzungen aus Rachsucht, weil ihr Dienstgeber ihr gekündigt hatte, selbst beigebracht habe. Das Landesgericht Troppau hat infolgedessen die Untersuchung gegen Leopold Adler wegen Mordversuches eingestellt und die Staatsanwaltschaft erhob gegen Maria Hahnel, die sich als Zeugin vor dem Untersuchungsrichter in mehrfache Widersprüche verwickelte und eine nachweisbar falsche Zeugenaussage abgelegt hatte, die Anklage. Leopold Adler hatte überdies wegen der gegen ihn vorgebrachten Verleumdungen die Privat- Ehrenbeleidigungsklage angestrengt. Maria Hahnel wurde sämtlicher Delikte schuldig erkannt und zu einer Kerkerstrafe von vier Monaten verurteilt. Eine aufgedeckte antisemitische Fälschung. In der Nummer vom 3. Oktober L J. brachte das „Deutsche Volksblatt" einen von faustdicken Lügen strotzenden Bericht über die vor wenigen Wochen in Frankfurt a. M. stattgefundene Rabbiner-Versammlung. Am 18. Oktober war das Hetzblatt gezwungen, folgende Berichtigung abzudrucken: „Berlin, den 14. Oktober 1902. Herrn Georg Ruhsam, verantwortlichen Schriftleiter des „Deutschen Volksblatt". Wien, VIII. Bez.. Josekgasse 6—8. Sehr ge-

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