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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-11-01 · 11 (11.1902) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
11 (11.1902)
Date
1902-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 Gemeinderat Zifferer sagte, es gebe für alle Fortschrittlichen heute nur ein Programm: Entfernung der heutigen Machthaber! (Stürmischer Beifall.) In scharfen Worten charakterisierte Redner die Finanzwirtschaft der Christlich-Sozialen und beleuchtete sodann die Wahlpraktiken der herrschenden Partei. Er habe P>eweise in der Hand, dass Lieferanten der Stadt Wien, um die Lieferungen zu erhalten, Beiträge zum christlich-sozialen Wahlfonds hergeben mussten. (Entrüstungsrufe.) 81 jüdische Kondukteure wurden kürzlich auf die eine Linie nach Grinzing aus dem II. Bezirke gedrängt, um ihnen die Ausübung des Wahlrechtes in diesem Bezirke unmöglich zu machen. Redner schloss unter lebhaftem Beifall mit einem Appell an die Anwesenden, nicht mutlos zu werden, sondern mit Begeisterung an die entscheidende Wahlschlacht zu gehen. Reichratsabgeordneter Dr. Vogler (beifälligst begrüsst) erklärte, dass er im Gemeinderate stets gegen die Präterierung der jüdischen Beamten und Lehrer aufgetreten sei. Als Christ schäme er sich dieser 'Handlungsweise der Christlich-Sozialen. (Stürmische Zustimmung.) Abg. Dr. Vogler kam sodann auf die Unterredung zu sprechen, die er heute anlässlich der Eröffnung des Obdachlosenheims über die Frage der Wählerlisten mit Dr. Lueger und dem Statthalter infolge Initiative des letzteren gepflogen habe. Die Besprechung sei fast resultatlos geblieben, man habe nur eine Zusage der Abkürzung der zwölftägigen Vervielfältigungsfrist für die Wählerlisten erlangt. L^mso grösser sei die Pflicht zur agitatorischen Arbeit, zu geschlossenem Eintreten für die vorgeschlagene Kandidatenliste. (Lebhafter Beifall.) Dr. Kr ona wetter (gleichfalls lebhaft akklamiert) führte aus, dass ebenso wie im -Jahre 1848 eine geheime mächtige Kamarilla bestehe, welche die Klerikalen protegiere. Auf die Frage der Wählerlisten übergehend, erklärte Redner, die Abschriftnahme der Wählerlisten sei nirgends verboten, darum müsse sie gestattet werden. Wenn der Statthalter nicht eingriff, so geschah es darum, weil er von anderer Seite (Rufe; Kamarilla!) eine andere Weisung erhielt. Ein detailliertes Programm zu entwickeln, sei für ihn (Dr. Kronawetter) nicht notwendig, denn seine politische Haltung sei bekannt. (Stürmischer Beifall.) Die Versammlung akzeptierte sodann einstimmig die Kandidaturen und nahm folgende, von Dr. Zins beantragte Resolution an: „Die am 18. Oktober 1902 versammelten Landtagswähler erklären es für eine dringende Notwendigkeit und gebieterische Pflicht, für sämtliche vom fortschrittlichen Wahlkomitee aufgestellten Kandidaten mit allen Kräften einzutreten und alles einzusetzen, um im vitalsten Interesse unserer Stadt und unseres Vaterlandes die christlich-sozialen Kandidaten zu bekämpfen." Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Gerichtliche Verfügung von Blutlügnern. Den Verbreitern falscher Gerüchte wird nun doch energisch zu Leibe gegangen. In unserem diesjährigen Jännerhefte berichteten wir, dass die bei dem Kaufmann Man dl er in Hluk bedienstete 15jährige Anna Kocian eines Tages den Dienst verliess und sich zu Leuten im Dorfe äusserte, sie habe ge-. hört, wie der Kaufmann Moriz Löwy, der viel im Hause Mandlers verkehrte, sich mit diesem verabredet habe, die Kocian rituell abzuschlachten. In Hluk entstand begreiflicherweise grosse Aufregung, die sich in Zusammenrottungen vor den Geschäftslokalen der dortigen zwei jüdischen Kaufleute äusserte und sich so weit steigerte, dass die Menge denselben die Fenster mit Steinen einschlug und im Mandler'schen Hause die Türe zertrümmerte. Mittlerweile hatte der Gemeindevorsteher die Kocian über die ungarische Grenze nach ihrem Heimatsorte Skalitz gebracht. Das Rechtsschutzbüreau der „Oesterreichisch-

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