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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-10-01 · 10 (10.1902) · p. Seite 14

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
10 (10.1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 aus Europa stammt. Aber dieser Dr. Isidor Singer aus Mährisch-Weisskirchen hat in Berlin, in Wien, in London und Paris vergebens sich bemüht, seinen Plan zu verwirklichen; erst in New-York gelang es ihm, die erforderliche Opferfähigkeit zu finden und — bezeichnenderweise! — einen christlichen Verleger für das gewaltig intendierte Werk zu gewinnen. Das kommt denn auch beschämend genug in dem Verzeichnis der Subskribenten — der „Patrons", wie man in Amerika sagt — zur Erscheinung. Ich zähle unter den mehr als siebentausend Xamen kaum hundert europäische. Und man sollte doch meinen, dass die jüdische Solidarität, die angeblich auch durch das „grosse Wasser" nicht unterbrochen wird, nicht rühmlicher sich dartun könnte als gerade in dem Zusammenwirken an einem solchen, der gesamten Judenheit zur Ehre gereichenden Werke. Zur Ehre auch bei allen Nichtjuden, welche unbefangen genug sind, den jüdischen Anteil am Kultur- und Geistesleben der Menschheit gerecht zu würdigen. Denn das ist, meine ich, das Wichtigste an dieser „Jüdischen Enzyklopädie", dass fortan alle, die „guten Glaubens'* sind, sich über jüdisches Leben, jüdisches Schrifttum, jüdisches Sinnen und Schaffen während dreier Jahrtausende leicht und verlässlich unterrichten können. Zu Fälschungen ä la Rohling oder Brimanus wird sich kaum mehr der Mut finden. Es liegt im Wesen und Begriff einer Enzyklopädie, dass sie sich nicht mit der Absuchung und Darstellung einzelner Gebiete bescheidet, sondern alle Gebiete umfasst. Theologie und Philosophie, Dichtung und Philologie, soziale und künstlerische Entwicklung, Bibliographie und Biographie, Handel und Verkehr, kurz alles, wrorin der Volksgeist sieh offenbart, kommt zu Worte. So geschieht es in dieser „Jewish Encyclopedia", und zwar mit einer schlichten Wahrhaftigkeit, die jede Ruhmredigkeit oder tendenziöse Bemäntelung ausschliesst. Gerade dies aber ist umso erfreulicher, als man den Juden bekanntlich nicht ganz mit Unrecht eine Xeigung zur Selbstverherrlichung nachsagt, die sich übrigens gesehichtspsychologisch sehr wohl begreifen lässt. Es ist ihnen von den anderen so wenig Gerechtigkeit widerfahren, dass sich gleichsam wie unter dem Drucke der Gegendruck in ihrer notgedrungenen Beschränkung auf sich selbst, auf ihr Geistes- und Familienleben ein Hang zur Selbstüberschätzung ergeben musste. So müssen sie es jetzt begreiflicherweise wie die Gutmachung eines ihnen seit zwei Jahrtausenden zugefügten blutigen Unrechtes empfinden, wenn in der amerikanischen Note von staatswegen ihnen das Zeugnis ausgestellt wird, dass sie in hohem Masse die geistigen und sittlichen Eigenschaften guter Bürger besitzen. Dass dieses autoritative Urteil, welches jedenfalls mehr Gewicht für sich in Anspruch nehmen darf als das Urteil rumänischer Bojaren, keine Uebertreibung enthält, dafür eben bringt die ..Jewish Encyelopedia" die sehr erwünschten Belege bei. Wir haben es hier nur mit dem zweiten Bande derselben zu thun, welcher von Apocrypha bis Benash reicht. Und selbstverständlich kann es sich in knapper Besprechung nur darum handeln, aus der ungeheueren Fülle einzelnes wie mit der Nadel herauszustechen. Es liegt ja nahe, vorerst den kolossalen Umfang des Gebietes zu kennzeichnen, über welches sich der unermessliche Stoff erstreckt, denn das Judentum hat keine lokale oder zeitliche Begrenzung, es ist in die Geschichtszeit aller Völker der Welt eingesprengt und sein historisches Leben reicht in Zeiffernen zurück, in denen von den modernen Nationen noch keine vorhanden war und nur die Erinnerung an untergegangene Völker und Staaten sich mühsam zurechtfindet. Wenn beispielsweise neben einem der

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