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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-10-01 · 10 (10.1902) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
10 (10.1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Peail1etoi% „The Jewish Encyclopediau. Vor Jahresfrist habe ich von dem ersten Bande dieses grossartig angelegten Werkes zu erzählen gehabt. Ich fingierte damals einen Briefwechsel mit einer Dame, der ich sozusagen ein Collegium historicum über jüdische Schicksale, jüdisches Schrifttum und vor allem über die Tatkraft der amerikanischen Juden las, welche, weit entfernt, in die europäische Vorstellung vom Yankeetum zu passen, auch den idealen Interessen ihres Stammes mit Inbrunst zugetan sind, wovon diese gewaltige Konzeption der „Jewish Encyclopedia" respekteinflössendes Zeugnis ablegt. Die Dame von damals existiert; die Fiktion des Briefwechsels fortzusetzen, kann ich mir ersparen, weil sich inzwischen etwas Judäo-Amerikanisches zugetragen hat, wovon man passender mit Männern spricht. Ich meine, wie leicht zu erraten ist, die rumänische Note des Staatssekretärs Hay. Man kann, auch ohne berufsmässiger Politiker zu sein, von diesem epochemachenden diplomatischen Dokument sich gar nicht hinwegdenken, während man in der „Jewish Encyclopedia" mit ihrem gleichfalls amerikanischen Herkunftsstempel blättert. Und so trivial, so verbraucht, so abgedroschen es sein mag, man summt dabei noch immer wieder das Zitat Goethes vor sich hin: Amerika, du hast es besser Als unser Kontinent, der alte, Du hast keine verfallenen Schlösser Und keine Basalte. Jawohl, es ist ein wunderliches Kulturweltbild, das sich da mit grausamer Deutlichkeit enthüllt. Amerika erhebt Einspruch gegen europäische Judenmisshandlung, es macht sich zum Anwalt aller Juden in der ganzen Welt. Und von Amerika kommt gleichzeitig in Gestalt der „Jewish Encyclopedia" das imposanteste jüdische Literaturwerk, das nach meinem bescheidenen Urteile in nachtalmudischer Zeit geschaffen worden, die zweitgrösste jüdische Enzyklopädie seit dem Talmud, der im wesentlichen ja auch einen enzyklopädischen Charakter hat. Ist das nicht eine höchst merkwürdige Verschiebung? Europa bringt die Kraft nicht auf, das Menschenrecht der rumänischen Juden zu schützen, und lässt sich von Amerika dieses Officium nobile entwinden. Es zeigt sich aber auch, dass die amerikanischen Juden in ihrem Stammesbewusstsein den europäischen Juden den Vorrang abgelaufen haben, denn diese „Jewish Encyclopedia", die für immer ein Denkmal jüdischer Renaissance sein wird, hätte in Europa nicht zustande gebracht werden können. Man wird einwenden, dass es nicht zum geringen Teile europäische Gelehrte sind, welche an dem Werke mitarbeiten, dass der Anreger and Leiter desselben, der managing editor,

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