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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-10-01 · 10 (10.1902) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
10 (10.1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 nehmen und den grossen Zuwachs an Arbeitskräften nicht zu einer Reduzierung der Löhne benützen werde. In wenigen Monaten wird die Saat, die der „Hilfsverein" in all diesen Orten ausgestreut, der Bevölkerung reichen Ertrag bringen. Nicht unerwähnt können wir es lassen, dass Mädchen christlicher Konfession, die um die Erlaubnis zur Teilnahme an den Lehrkursen baten, diese Erlaubnis immer erteilt wurde. Anknüpfend an eine vortreffliche Einrichtung in den Baron Hirsch-Stiftungs-Schulen, an den Handfertigkeits- oder Slöjdunterricht, der in vielen derselben erteilt wird, hat der „Hilfsverein" in sehr glücklicher Weise in Stanislaumit der Erzeugung von Drechsler- und Spielwaren, sowie anderen Georauchsartikeln aus Holz begonnen. Diese Industrie ist bestimmt, vorwiegend der erwerbsbedürftigen männlichen Bevölkerung guten und dauernden Erwerb zu verschaffen. Unter Leitung eines tüchtigen, mit modernen Arbeitsmethoden wohlvertrauten Fachmannes werden von einer allmählich wachsenden Anzahl jüngerer und älterer Arbeiter Schachfiguren, Domino-und Damesteine, Puppenmöbel etc. für den Export erzeugt. Wenn die Arbeiter in einem Orte genügend geschult sind und die Arbeit in befriedigender Weise organisiert ist, wird die Einführung dieser Industrie in einem dazu geeigneten neuen Orte unternommen und so allmählich über viele Orte verbreitet werden. Die ersten Erzeugnisse sind schon an die Stelle gelangt, die für deren ständigen lukrativen Absatz sorgt. Die Ausführung der erzeugten Artikel hat sehr befriedigt. Mit der Zeit dürfte diese Industrie sich zu einer recht bedeutenden in dem holzreichen Galizien entwickeln. Einige andere Industrien, darunter eine, die teils Fabriks-, teils Heimarbeit erfordert, sind zur Einführung in Galizien vorbereitet. Die begonnenen wie die vorbereiteten Industrien bilden nur die ersten Anfänge zur Ausführung eines grösser angelegten Planes. In der Absicht des Hilfsvereines liegt es, geeignete Industrien über das ganze Land zu verbreiten und vorwiegend solche zu wählen, die für den Export arbeiten und der gegenwärtigen Landeserzeugung keinen Eintrag tun. Die Arbeit, die der „Hilfsverein" unternommen hat, gleicht der Aufforstung eines durch rücksichtslose Abholzung verwüsteten Waldes. Noch Jahrzehnte fortgesetzter konsequenter Arbeit wird es bedürfen, um hier ansehnliche, dauernde Resultate zu erreichen. Der Verein hat schon jetzt den unwiderleglichen Beweis erbracht, dass es in G a Ii z i en ein e z ahlr e ic h e arbeitswillige und sehr bildungsfähige jüdische Bevölkerung gibt, die nur auf die gebotene Gelegenheitwartet, um sich bestens zu betätigen. Man darf nunmehr wohl erwarten, dass die verständigen jüdischen Industriellen und Exporteure in ihrem eigenen wie im Interesse jener

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