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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-10-01 · 10 (10.1902) · p. Seite 5

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
10 (10.1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Haarnetz-Industrie übt hier einen grossen Einfluss auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der armen jüdischen Bevölkerung aus. Viele Familien fiuden dadurch ganz oder teilweise ihr Auskommen. Von den Strassen sind die vielen müssiggehenden Mädchen verschwunden, ja ich möchte behaupten, dass manche Stadtteile ein verändertes Aussehen bekommen haben. Wo früher schmutzige Mädchen in zerlumpten Kleidern Gänse hüteten, sitzen jetzt nett gekleidete Mädchen, die fleissig arbeiten. Viele Mädchen verlassen schon beim Morgengrauen das enge Elternhaus, um in einer geräumigen Stube gemeinsam und ungestört zu arbeiten. Hier wird das Haarnetzen eigentlich erst seit fünf Monaten betrieben und schon sind viele Familien in der angenehmen Lage, im Besitze einer Kuh oder eines Pferdes zu sein, was schon „Wohlstand" für diese Familien bedeutet. Aber nicht nur die Aermsten der Armen empfinden die Wohltat der hier eingeführten Haarnetz-Industrie, sondern auch die Geschäftsleute äussern sich sehr dankbar. Alle verstehen die Wohltat zu schätzen, dass nun wöchentlich über 200 Kronen mehr ins Städtchen hereinkommen. Mädchen, die dem Laster ergeben waren, sind jetzt fleissige, anständige Arbeiterinnen." Herr J. Tartykowe r, Schulleiter in Uäcieczko, wo noch nicht lange gearbeitet wird, schreibt ddo. 22. September: „Die Wirkung der eingeführten Arbeit ist trotz der noch kleinen Verdienste doch schon eine beträchtliche. Die Mädchen, welche früher hungernd auf den Gassen herumlungerten, pflegen nun vom frühen Morgen bis zum Abend der Arbeit. Die ersten Löhne wurden fast von allen Mädchen zur Anschaffung von besseren Kleidern verwendet. Ein schöneres und besseres Kleid verlangt auch einen reinen Körper. Die Mädchen, welche früher meist schmutzig herumliefen, pflegen nun auch besser die Reinlichkeit des Körpers, was auf die Hebung des Gesundheitszustandes einen grossen Einfluss hat. Auch die Moral, die bei den früher faulenzenden Mädchen manches zu wünschen liess, wurde durch die fleissige Arbeit bedeutend gehoben. In vielen Familien (bei den ärmsten) unterstützt die arbeitende Tochter die armen mit dem Elend kämpfenden Eltern. In anderen wieder, etwas vermögenderen, wird der Lohn für die gelieferte Arbeit als Ersparnis in die Postsparkasse gelegt oder als Prämie für eine Assekuranz gezahlt. Diese Ersparnisse sollen dann den heranwachsenden Arbeiterinnen als Mitgift dienen, um eine bessere und anständigere Heiratspartie erlangen zu können. Auf diese Weise wird den armen Mädchen auch eine bessere Zukunft vorbereitet." — Der Ruf dieser Heimarbeit verbreitete sich allmählich über ganz Galizien und der Hilfsverein wurde, besonders in den letzten Monaten, geradezu gedrängt, in 65 neuen Orten Lehrkurse zu eröffnen. Er tat es in steter Uebereinstimmung mit dem Unternehmer, der die Gewähr bot, dass er alle erzeugten Waren ab-

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