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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-10-01 · 10 (10.1902) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
10 (10.1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Hilfe für die notleidenden Juden in Galizien. In der letzten Nummer unserer „Monatsschrift" haben wir in grossen Zügen unter dem Titel „Hilfe für Galizien!" angedeutet, durch welche Mittel die wirtschaftlichen Verhältnisse Galiziens im allgemeinen gebessert werden könnten. Wir wiesen darauf hin, dass das Elend der galizischen Juden im innigen Zusammenhange mit den wirtschaftlichen Verhältnissen der Gesamtbevölkerung steht, wenn wir auch die augenfällige Tatsache erkennen müssen, dass sowohl durch aktives wie passives Verhalten die Juden in Galizien ganz besonders in eine immer schlimmere Notlage zum Schaden des ganzen Landes geradezu gedrängt werden. Wir wollen uns heute über dieses traurige Kapitel, auf das wir demnächst zurückzukommen gedenken, nicht verbreiten und lieber eine Hilfsaktion ins Auge fassen, die mit unleugbarem Geschick und wachsendem Erfolge in einer immer grösseren Zahl der allerärmsten Orte Galiziens das Elend durch Schaffung von Erwerb wirksam zu bekämpfen beginnt. Wir sprechen von der Hilfsaktion des noch ganz jungen, doch unsern Mitgliedern und Lesern wohlbekannten „Hilfsvereins für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien".') Vor ungefähr einem Jahre hat dieser Verein seine Tätigkeit mit der Einführung einer Heimindustrie, der Erzeugung von Haarnetzen, begonnen, die bis dahin in Galizien ganz unbekannt war und von der überhaupt nur wenige wussten, dass sie einen ziemlich bedeutenden Exportartikel bildet, der von Oesterreich aus nach allen Erdteilen versendet wird und für den zirka 5 Millionen Kronen jährlich nach Oesterreich hereinkommen; fünf Millionen, von denen 80% als Arbeitslohn zur Auszahlung gelangen. Der „Hilfsverein" verschaffte sich zunächst die Gewissheit, dass noch sehr zahlreiche Arbeitskräfte in dieser Industrie für absehbare Zeit Verwendung finden können. Einer der bedeutendsten Exporteure dieses Artikels erklärte sich bereit, für seinen Bedarf Haarnetie in Galizien erzeugen zu lassen und gab die Versicherung, dass er noch tausende von Arbeitskräften dauernd zu beschäftigen und dabei mehr Lohn zu zahlen in der Lage ist, als sonst für irgend eine Heimarbeit gezahlt zu werden pflegt, da eine ständige Arbeiterin nach erlangter Fertigkeit, wozu nur eine fünf- bis sechsmonatliche Uebung gehört, 8—10 Kronen wöchentlich wird verdienen können. Der Artikel bot auch den grossen Vorteil, dass bei ihm Fracht und Zoll für das Rohmaterial wie für das fertige Produkt kaum ins Gewicht fallen. Rasch entschlossen, entsandte der Hilfsverein im Vorjahre eine Anzahl von Fachlehrerinnen, eröffnete in 14 Orten teils in West-, teils in Ostgalizien unentgeltliche Lehrkurse und gab den *) Bureau : Wien, I, Tuchlauben 17.

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