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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-09-01 · 9 (9.1902) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
9 (9.1902)
Date
1902-09-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 Los schliesslich nicht mehr mit Ergebung, sondern er verzagt. Darin liegt sein Fall; kein Fall zum Tode, aber doch ein Punkt, an dem göttliche Erziehungsarbeit noch einsetzen kann, ein Punkt, von wo eine Rückkehr zum Herrn noch möglich ist, aber diesen Rückweg muss er sich selber suchen in hartem, mühseligem Ringen. Denn jeder Gedanke an einen Ausgleich in einer anderen Welt, in einem späteren Leben liegt dieser salomonischen Zeit noch völlig fern. Und das Dramatische des Werkes liegt nun darin, dass der Held nicht in abstraktem Denken fortschreitet, sondern dass ihm die verschiedenen Anschauungsweisen über den Zweck des Leidens aus dem Munde lebender Menschen entgegenklingen, dass der Dichter sie in eine anschauliche Form gekleidet hat. Und was sind das für prächtige Gestalten geworden, diese drei ersten Freunde, die mit ihren weisheitsvollen Reden vor ihm auftreten! Man muss sie kennen gelernt haben, diese „guten Freunde", in einem grossen Unglück, das uns das Herz zerrissen hat, mit ihrem billigen Trost und mit ihren noch billigeren Anklagen und Vorwürfen. In der ganzen „reichen" dramatischen Literatur Otasiens, besonders in China, finden wir keine einzige solche Figur auf der Bühne, so einen meisterhaften, dem Leben abgelauschten Philister : denn das ganze geistige Leben des Chinesen, seine Sittlichkeit und seine Religion haben einen so unsäglich nüchternen, philisterhaften Zuschnitt, wie sollte er da den Philister neben dem warmblütigen, starken, ob der Grösse des eigenen Unglücks staunenden Menschen beobachten? Krämermoral ist es, die sie dem Leidenden predigen: wer Gutes tut, dem wird es wohl ergehen, da du solches Unglück hast, so müssen schwere Sünden auf dir lasten. Natürlich schlummert dabei der Nebengedanke in ihnen: da wir nicht dies UnglücE haben, sind wir eben viel besser als du. Nun kann zwar das Böse auch eine göttliche Strafe sein, aber das trifft in diesem Falle nicht zu. Man kann auch von diesen guten Freunden nicht verlangen, dass sie den wahren Zusammen» hang einsehen; aber da sie doch Hiob lange genug kennen, sollten sie ihm nicht so ungeheuerlich Böses zutrauen und lieber die Unbegreiflichkeit der Wege Gottes zugestehen, als mit billigen Anklagen zur Hand sein. Darin ruht aber wieder ein dramatisches Element, dass bei diesem Zusammenplatzen Hiobs mit seiner Umgebung jeder Teil im gewissen Sinne recht hat, nur reden sie aneinander vorbei, und die Aheehr des Helden von diesen niedrigsten Gedankenkreisen, von dem alltäglichen Aufrechnen von Handlungen und Folgen wird eben erleichtert durch den Charakter der Freunde, den der Unglückliche mit seinem durch Leiden verfeinerten Gefühl umso deutlicher erkennt. Alle drei sind von gleicher Selbst gerechtigkeit und Herzlosigkeit erfüllt i bei jedem aber nimmt die innere Falschheit eine etwas andere Maske an. In pathetischen Worten, mit dichterischem Schwung preist Eliphas die Macht Gottes, der den Unschuldigen niemals strafe und vor dem sich Hiob als Schuldiger demütigen solle. Bilciad, mehr nüchtern und vernünftelnd angelegt, bleibt an der Erde hängen. Mit taktloser Hand rührt er an die heiligsten Erinnerungen des Helden: dein Vater, deine Mutter, deine Kinder waren auch Sünder, sie sind durch Gottes Strafgericht umgekommen. Auf wesentlich gleichem Standpunkte steht Zophar, der Jüngste, der Leidenschaftlichste, der zu der Gemeinheit die Roheit fügt, dessen Hauptgründe im Schreien und Poltern bestehen. „Wenn du dein Herz zurechtstellst und deine Hände zu Ihm ausbreitest und alles Böse aus deiner Hand entfernst und nicht im Zelte

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