Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 9 (9.1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 nun das Gerücht, das Kind sei von einem aus Klausenburg zugereisten Juden ermordet worden, da man das Blut des Kindes für die im Bau befindliche Klausenburger Synagoge brauche. Das Geschäft Egris wurde von einer erregten Menge förmlich belagert; zur Verhinderung von Exzessen musste Gendarmerie aufgeboten werden. Heute wiederholten sich die Exzesse. Nun brachte aber eine Bäuerin die Kunde, dass das Kind in einem benachbarten Orte unversehrt und weinend aufgefunden wurde. Egri hat gegen die Urheber der Exzesse die Strafanzeige erstattet.44 Korrespondenzen. Deutschbrod. Am 28. Augut d. J. fuhr ich in Gesellschaft von drei Glaubensgenossen im Zuge Nr. 12 der Nordwestbahn aus Prag nach Deutschbrod, In Kuttenberg stiegen einige Reservisten ein und machten einen solchen Lärm, dass sie auf Anregung eines Mitreisenden vom Kondukteur ermahnt wurden, sich ruhig zu verhalten. Kaum setzte sich der Zug jedoch wieder in Bewegung, so änderten sie ihre Taktik und einer überbot den anderen an schmählichen Beschimpfungen der Juden. Unter anderem sagte einer, dass die Offiziere jüdische Hunde seien, die alle erschossen werden sollten; dann, dass er alles vertrage, doch wenn er einen Juden sehe, so könne er sich nur mit Mühe beherrschen, um ihn nicht zu erschlagen. Für ein Schwein habe er mehr Herz als für die jüdische Bande u. s. w. Zum Schlüsse wurden auch noch eine Anzahl Hilsner-Lieder angestimmt. Als der Kondukteur in der Station Lestina in unser Kupee kam, machte ich ihn auf das Benehmen der Leute aufmerksam und ersuchte ihn, er möge durch den Zugsführer oder den Stationsbeamten in Svetla die Namen derselben feststellen lassen, oder er selbst möge uns vor den Gemeinheiten in Schutz nehmen. Der Kondukteur hörte uns ruhig an, veranlasste aber nicht das mindeste, so dass einige der Reservisten in Svetla unbehindert aussteigen konnten, während zwei von ihnen unbeanständet noch über Deutschbrod weiterfuhren. Es wäre doch angezeigt, dass die Direktion der Nordwestbahn ihr Personal belehre, wie es sich in solchen Fällen zu benehmen habe, oder eine öffentliche Kundmachung zu erlassen, des Inhaltes, dass man sich zu einer Fahrt III. Klsase bei diesem Transportinstitut mit einem Taufschein versehen müsse. Meiner Ansicht nach hätte der Kondukteur oder der Zugsführer unserem Ersuchen um Feststellung der Nationale unbedingt Folge leisten müssen. Sehr auffallend war es mir und den Mitreisenden, dass der Kondukteur, nachdem ich ihm in Lestina die erwähnte Anzeige gemacht hatte, in den folgenden Stationen Svetla und Okrouhlic gar nicht mehr in das Kupee kam. Ich weiss nicht, ob darin ein Symptom zu erblicken ist, dass er das Benehmen der Exzedenten stillschweigend billigte. Berlin. (Eine Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft im Judentum) soll nach einem soeben in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums* veröffentlichten Aufruf gegründet werden. Die Gesellschaft will begabte junge Leute, welche das Universitätsstudium, sowie eine der theologischen Anstalten absolviert haben und welche Neigung und Beruf zur wissenschaftlichen Arbeit treibt, mit ausreichenden Stipendien versehen, damit aus ihnen ein Stamm von zulänglichen Lehrkräften gesichert werde. Weiter will die Gesellschaft die Herausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift und wissenschaftlicher Werke ermöglichen.