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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-09-01 · 9 (9.1902) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
9 (9.1902)
Date
1902-09-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Grossgrundbesitzer und das macht ihre Meinung erklärlich — sprechen sich gegen die Anlage geschlossener jüdischer Kolonien, sogenannter Judendörfer aus, weil sie befürchten, dass solche Judendörfer bei der Wiederkehr antisemitischer Bauernexzesse bequeme Ansiedelung einzelner jüdischer Ackerbauer mitten unter der christlichen Bauernbevölkerung, ein Modus, dem das sehr gewichtige Bedenken entgegensteht, dass der ererbte jüdische Handelsgeist aufsaugend auf die umliegenden Bauernwirtschaften wirken und daher vermehrten Anlass zur Erbitterung und Gewalttätigkeit schaffen würde. Die anderen — es sind dies solche christliche und jüdische Kenner des Landes und des Volkscharakters, welche nicht fürchten müssen, dass der Hass der Bauern sich gegen sie selber kehre — befürworten die Anlage geschlossener jüdischer Kolonien, für welche allerdings erst die nötige Vorbedingung in Form von Bauernschulen zur Erziehung der jüdischen Jugend für den Ackerbau geschaffen werden müsste. In die Beschäftigung mit der Landwirtschaft sind die Juden ja schon seit der Freigebung des Erwerbes von Grund und Boden eingetreten. Im Jahre 1890 besassen sie in Galizien bereits 591 633 Joch landtäflicher Güter. Von 1620 landtäflichen Pachtungen waren 1894 783 in jüdischen Händen. Hiervon waren 718 von Christen und 65 von Juden an Juden verpachtet, ein Beweis, dass die Juden als Eigentümer zumeist selbst bewirtschaften und nur selten verpachten. Daten über den jüdischen Eustikalbesitz liegen nicht vor, aber in vielen, ja beinahe allen Dörfern Galiziens sind Juden Besitzer rustikaler Gründe, zumeist sind es Schankwirte, die ein Stückchen Grund kaufen, um dauernd sesshaft zu werden. Als Verwalter, Oekonomen, Aufseher, Forsthüter usw. werden sogar Juden auch von christlichen Besitzern besonders bevorzugt und es könnte eine grosse Anzahl junger Leute in diesen Berufen ihre dauernde Existenz finden, wenn sie sich, statt im Gymnasium eine aussichtslose Carriere zu betreten, den höheren landwirtschaftlichen Anstalten zuwenden würden. Schon vor 14 Jahren ist eine der massgebendsten Persönlichkeiten der galizischen Judenschaft, der Direktor der galizischen Hypothekenbank Herr Moriz Lazarus, in einer Broschüre für die Heranbildung der Juden zum Ackerbau eingetreten. „Um diesen Zweck zu erreichen," sagt Lazarus, „müssten vorerst landwirtschaftliche — oder richtiger — Bauernschulen errichtet werden, welche den Zweck hätten, jüdische Familien für den Bauernstand zu erziehen." Er gibt auch sofort die Anleitung zur praktischen Durchführung der Sache: „Es wird ein Grundkomplex, der ausserhalb eines Dorfes liegt und einen Teil des Grossgrundbesitzes bildet, erworben und ganz nach Art der Bauernbesitzungen eingeteilt und eingerichtet, so dass jedes Stück mit seinem Hause einen komplett eingerichteten Bauernbesitz darstellt. Je nach den Mitteln kann eine solche Bauernschule nicht unter 20 und nicht über 50 derartiger Bauernbesitzungen enthalten. Als Lehrer wird ein jüdischer Oekonom angestellt. Die Lehrzeit jedes Kolonisationszöglings müsste mindestens 3 Jahre dauern und alles, was derselbe während dieser Zeit aus Grund und Boden oder durch sonstige Arbeit

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