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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-09-01 · 9 (9.1902) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
9 (9.1902)
Date
1902-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 Tage wohl die Stiefeln zu Hause liessen, aber doch in Strümpfen erschienen. Trqtzdem gibt es auch heute schon eine nicht unbeträchtliche Anzahl jüdischer Bauern. Wir haben bereits der Sekte der Karaiten bei Halicz erwähnt, die aus mehreren hundert Familien besteht und seit nahezu 200 Jahren lediglich von der Bestellung ihrer Felder lebt. Auch in der Nähe von Stanislau gibt es ein Dorf, wo viele Juden den Boden bebauen und auf dem Gute des Abgeordneten Götz leben vier jüdische Bauernfamilien, die sich nur durch die Sabbatheiligung von ihren christlichen Genossen unterscheiden und während der vorjährigen Judenexesse gar nicht daran dachten, dass ihnen ein Leids geschehen könnte. Blicken wir über Galizien hinaus, so treten uns zwei grosse kolonisatorische Versuche mit Juden vor Augen. Der eine, in Argentinien, ist trotz der reichen Mittel, mit denen er unternommen wurde, gescheitert. Man scheint weder bei der Auslese des Menschenmaterials, noch bei der Organisation mit der erforderlichen Vor- und Umsicht zuwerke gegangen zu sein. Die Ungunst der klimatischen Verhältnisse und alljährlich wiederkehrende Heuschreckenschwärme vollendeten das Zerstörungswerk. Der zweite, auf dem dürren Boden Palästinas unternommene Versuch ist aus kleinen, schier hoffnungslosen Anfängen herausgewachsen und hat, allerdings nach unsäglichen Mühen und Beschwerden und sehr beträchtlichen Geldopfern, zu teilweise guten Erfolgen geführt. Auf Grund dieser Erfahrungen lässt sich also den galizischen Juden die physische Eignung und psychologische Fähigkeit zum Ackerbau nicht absolut absprechen. Eichtig ist, dass die infolge des Elends eingetretene körperliche Degenerierung ebenso wie die auf viele Generationen zurückreichende Entwöhnung von physischer Arbeit grosse Schwierigkeiten darbieten,, aber diese Hindernisse sind zu beseitigen, wenn man das Ziel nicht mit jähem Sprunge erreichen will, sondern demselben schrittweise zusteuert. Viel gewichtiger scheint der Einwand, dass schon heute in Rücksicht auf die Ertragsfähigkeit des Bodens eine bäuerliche Uebervölkerung vorhanden ist, dass also mit der Ueberführung einer grösseren Anzahl von Juden zum Ackerbau nur das ländliche Proletariat vermehrt würde. Aber dem gegenüber steht die Tatsache, dass die unglaubliche Zersplitterung des bäuerlichen Besitzers eine intensive Bewirtschaftung des Bodens behindert und dass die galizische Bauernwirtschaft heute noch genau auf dem primitiven Punkte steht, wie vor Jahrhunderten. Nicht an der Dürftigkeit des Bodens, der namentlich in Podolien ein sehr günstiger ist, liegt es, sondern an der Mangelhaftigkeit seiner Bearbeitung und an den trostlosen sozialen Verhältnissen, wenn alljährlich tausende von Bauern zum Wanderstabe greifen müssen. Wir glauben daher, dass die Frage, ob man dem Elende der galizischen Juden auch durch Zuführung eines Teiles derselben zum Ackerbaue abzuhelfen suchen soll, entschieden bejahend beantwortet werden muss. Aber auch über die Art und Weise der Kolonisation gehen die Ansichten auseinander. Die einen — es sind dies zumeist jüdische

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