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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-09-01 · 9 (9.1902) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
9 (9.1902)
Date
1902-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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G die geringste Besserung der Xotlage bewirkt zu haben. Auf je 100 Petenten entfielen 25 Handwerker und auch diese waren eigentlich nur Pfuscher. Man erkannte bald die schädliche Wirkung dieser Wohltätigkeitsbureaux und liess sie auf. Dagegen richtete das Kuratorium sein Augenmerk auf die Entwicklung der Handwerker schulen. Die grössten Hoffnungen setzte man auf jene in Krakau. Die Geschichte derselben ist überaus lehrreich: Die jüdischen Handwerker konnten den Befähigungsnachweis nicht erlangen, weil die Zünfte ihnen die Aufnahme verweigerten. Man bewegte sich also in einem Circulus vitiosus. Man konnte keine jüdischen Handwerker heranbilden, weil sie nicht Meister werden durften, und da man keine jüdischen Meister hatte, konnte man keine Pionnierschulen gründen und keine jungen Kräfte heranziehen. Man dachte daher daran, der Krakauer Handwerkerschule das Becht zu verschaffen, dass ihre Zeugnisse den Befähigungsnachweis ersetzen. Wenn nur erst 20 bis 30 Meister herangebildet und in das Land hinausgeschickt waren, konnten sie das Handwerk überallhin verpflanzen. Die Begierung hat nun verlangt, dass die Schule mit den besten Lehrkräften versehen und mit allen technischen Behelfen der Neuzeit ausgestattet werde. Das Kuratorium aber sagte: Zuerst gebt uns das Becht und dann werden wir die Schule entsprechend einrichten. An diesem Widerspruche oder gegenseitigem Misstrauen ging die Schule zugrunde. Die Eignung und Willigkeit der Juden zum Handwerke steht ausser Frage. Sie betreiben in Galizien alle nur denkbaren Gewerbe, freilich in sehr mangelhafter Weise. Die Errichtung und Subventionierung von Handwerkerschulen wäre daher ein dringendes Erfordernis, schon deshalb, weil damit auch der Lösung der Emigrationsfrage vorgearbeitet würde. Der geschulte Handwerker bleibt selten im Lande, er sucht sich sein Brot auf einem dankbareren Boden. Die Beförderung des Handwerkes würde also einen grossen Teil der Juden erst emigrationsfähig machen. Auch auf die Ausbildung in den höheren Gewerbeschulen sollte hingewirkt werden. Die Krakauer Gewerbeschule zählt unter 200 Frequentanten 15 Juden, von denen der grössere Teil ganz ausgezeichnete Schüler sind. Aber viele müssen das Studieren aufgeben, weil sie die Mittel dazu nicht aufbringen. Man müsste also Stipendien stiften, um die jungen Leute, statt den Gymnasien und Bealschulen, den Gewerbeschulen zuzuführen. 3. Die innere Kolonisation. Die Frage, ob grössere Massen von Juden im Lande selbst dem Ackerbau zugeführt werden sollen, ist noch vielfach kontrovers. Die galizischen Juden sind fast ausschliesslich Städtebewohner. Ihre Sitten- und Lebensgewohnheiten, die Mittel des Erwerbes und ihre sozialen Einrichtungen sind städtisch. Es ist unbestreitbar, dass ein starkes psychologisches Moment ihrer Umwandlung zu Ackerbauern entgegensteht. Als ein charakteristisches Detail mag hier angeführt werden, dass jüdische Aekerknechte, als sie von den christliehen Bauern verspottet wurden, weil sie in Stiefeln aufs Feld kamen, am folgenden

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