Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 8 (8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9756662-9602426-9602630--0474-9602644- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
14 sie und rief aus: ..Mein Schwiegersohn hat nicht das Blut ausgesoffen! Das haben die Juden getan!" Es ist begreiflich, dass das hier wahrheitsgetreu Erzählte die Bevölkerung in Polna und Klein-Vesnitz, ohne Unterschied der Konfession, in Atem hält und dass sich daran mannigfache Kombinationen knüpfen, die vorläufig noch nicht erörtert werden sollen. Korrespondenzen. Berlin. (Jüdische Statistik.) Ein vor kurzein zusammengetretenes Komitee hat soeben einen Verein für jüdische Statistik mit der Zentrale in Berlin gegründet. Der Verein beabsichtigt, zunächst alle vorhandenen Angaben über <iie Zahl und die Lebensverhältnisse der über die ganze Erde zerstreuten jüdischen Bevölkerung zu sammeln, hieiauf dieselben durch eigene Erhebungen zu ergänzen. Ferner wird geplant, ein ständiges Bureau für jüdische Statistik zu errichten, dessen Publikationen die Veränderungen im Zustande der jüdischen Bevölkerung fortlaufend zu registrieren hätten. Ein solches Unternehmen erscheint nicht nur vom Standpunkte der Juden nützlich und erstrebenswert, da es bis jetzt für alle zur Sanierung der jüdischen Verhältnisse ins Werk gesetzten philanthropischen und kolonisatorischen Aktionen an der notwendigen statistischen Grundlage gebrach; sondern auch vom allgemein wissenschaftlichen, demographischen Standpunkte, da die Biotik der Juden infolge der Vernachlässigung der Rubrik „Konfession" in den offiziellen statistischen Publikationen bis jetzt nicht genauer verfolgt werden konnte. Seine Tätigkeit eröffnet der Verein mit der für Herbst d. J. geplanten Herausgabe des ersten Bandes seiner Publikationen. Derselbe wird neben methodologischen Aufsätzen und einer Bibliographie der jüdischen Statistik hauptsächlich monographische Arbeiten bringen. Der Verein erfüllt seine Aufgaben durch Organisierung von statistischen Arbeitsgruppen. Vier Arbeitsgruppen dieser Art sind zurzeit in Berlin tätig, überdies haben sich bis jetzt Arbeitsgruppen in Wien, Odessa, Warschau und Krakau gebildet. Zum Vorsitzenden des Vereines wurde Dr. Alfred Nossig, zum Sekretär A. J. Kastelianski gewält. Berlin. (Eine Gesamtorganisation der deutschen Juden) soll, anstatt des allseitig abgelehnten Judentages, ins Leben gerufen werden. Der vorbereitende Ausschuss hat eine Umfrage über die Notwendigkeit einer solchen Organisation unter den jüdischen Gemeinden, wie unter den Rabbinern veranstaltet. 227 Gemeinden, darunter Berlin, Posen, Danzig, Leipzig u. s. w., haben unbedingt dem Plane zugestimmt. Doch fchlt ps dem Projekte auch nicht an Gegnern. So erklärte die grosse Judengemeinde Frankfurt am Main sich entschieden gegen den Plan mit dem Bemerken : „Soweit politische Interessen im engeren Sinne in Betracht kommen, erachten wir eine Organisation der Juden nicht für empfehlenswert, sondern für schädlich/ Von 210 Rabbinern haben sich 92, darunter die Rabbiner der gröbsten deutschen Kultusgemeinden, unter anderen auch Berlins, für die Schaffung einer solchen Organisation ausgesprochen. Ein grosser Teil der 1553 dem deutsch-israelitischen Gemeindebunde angeschlossenen Gemeinden hat überhaupt zu der Frage noch keine Stellung genommen. Der Ausschuss leitet inzwischen eine lebhafte Agitation ein, um die Gemeinden, ohne Unterschied ihrer Mitgliederzahl, ihrer Bundesstaatszugehörigkeit und ihrer religiösen Richtung, zur Befürwortung des Organisationsprojektes zu bewegen. Könitz. Das Oberlandesgericht in Marienwerder (Westpreussen) hat in der Konitzer Mordsache die Beschwerde des Bauunternehmers Winter zu Prechlau über den Abweis seiner Strafanzeige gegen eine