Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-08-01 · 8 (8.1902) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
8 (8.1902)
Date
1902-08-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9756662-9602426-9602630--0473-9602643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

untere Teil des dazu gehörigen Bockes 14 Blutflecken zeigte. Ferner bemerkte man, dass mehrere grössere Blutflecken ausgewaschen waren; auch auf einem Geldtäschchen entdeckte man Blutflecke. Nach der Entlassung aus dem Irrenhause wurde Janda verhaftet. Beim Verhöre antwortete er auf die Frage, woher die Blutspuren rühren, es seien keine; wenn es aber doch welche waren, so sei er wahrscheinlich von dem Täter mit Blut bespritzt worden. Beim Verhör suchte Janda alle Schuld auf seinen Schwager Jost zu schieben. Die erwähnte DejDesche des amtlichen Korrespondenzbureaus, welcher diese Mitteilungen entnommen sind, bezeichnete Janda als Wüstling und Trunkenbold. Der zweite Kamerad Hilsners, der vor wenigen Wochen in der Strafanstalt Mürau irrsinnig geworden ist und nun in die Sternberger Irrenanstalt gebracht wurde, ist der 22jährige Glasschleifer Vincenz Zelinger, der eine dunkle Vergangenheit hinter sich hat. Der Vater Zelingers stammte aus Polen und trieb in Polna das Gewerbe eines Wasenmeisters. Vincenz Zelinger war ein arbeitsscheuer Bursche, der wegen Gewalttätigkeit mit den Behörden wiederholt in Kollision gekommen ist. Während der Verhandlungen in Kuttenberg und Pisek, bei denen er als Zeuge fungierte, hatte er Kerkerstrafen wegen Majestätsbeleidigung und Gotteslästerung abzubüssen, und so oft er sich dem Ende der Strathaft näherte, beging er eine neue Majestätsbeleidigung, bis endlich die Untersuchung seines Geisteszustandes angeordnet wurde, auf Grund welcher vor kurzem seine Abgabe an die Irrenanstalt erfolgte. Dieser Zelinger war einer jener Genossen, die am Tage des Mordes ah Agnes Hruza auf dem Katharinenberge mit Hilsner Karten gespielt hatten. Der verkommene Bursche starrte gewöhnlich vor Schmutz und es war von ihm notorisch, dass er sich wochenlang nicht wusch. Umso merkwürdiger wTar es, dass Vincenz Zelinger in der Nacht des Mordes vom 29. auf den 30. März, gegen 3 Uhr morgens ohne Hemd nach Hause kam, seine Quartiergeberin weckte und von ihr warmes Wasser zum Waschen forderte. Von diesem Faktum ist weder in Kuttenberg noch in Pisek Notiz genommen worden. Ein Uebersehen, welches mindestens so befremdlich ist wie die Gleichgültigkeit, welche man den seltsamen Aeusserungen Karl Jandas über die Provenienz der an seinen Kleidern gefundenen Blutflecke entgegensetzte. Der dritte endlich, der vor kurzem in die Nacht des Wahnsinns verfiel oder verfallen sein soll, ist Franz Jost, der Schwager des Carl Janda. Auch Jost wird als ein Trinker geschildert und es ist nicht unmöglich, dass er vom Delirium tremens befallen wurde. Allein in diesem Delirium hat Franz Jost Aeusserungen getan, welche eine ganz merkwürdige Aehnlichkeit mit jenen des Karl Janda haben und die wohl geeignet sind, die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zu lenken. Als die Tobsucht bei Jost ausbrach, begann er zu schreien: „Ich habe die Anezka nicht totgeschlagen! Jetzt kommen die Gendarmen auch zu uns! Wir werden alle gehenkt werden!" Als man der Schwiegermutter Josts, der Frau Janda, die Nachricht auf das Feld brachte, dass ihr Schwiegersohn verrückt geworden sei, erbleichte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.