Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 8 (8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 sich eigener und überraschender Wege bedienen, um die volle Wahrheit in diesem noch so vielfach dunklen Gerichtsdrama an den Tag zu bringen. Wir sagen die volle Wahrheit : Denn selbst angenommen, dass Hilsner an dem Morde der Agnes Hruza resp. der Marie Klima mitbeteiligt gewesen wäre, so lautet das Verdikt der Geschworenen doch unzweideutig dahin, dass er Mitschuldige gehabt haben müsse, ein Fingerzeig, der den geschäftigen Gendarmerie-AVachtmeister Klenovec wohl hätte veranlassen müssen, seine Nachforschungen auch nach dem Piseker Prozesse mit allem Eifer fortzusetzen, statt seine Aufgaben mit der Verurteilung Hilsners als abgeschlossen zu betrachten. Die Vorkommnisse, von denen wir sprechen, sind auffallend genug. Bisher sind drei Genossen Leopold Hilsners, mit denen er intimen Verkehr pflog und in deren Kreise er sich auch an dem angeblichen Tage des Mordes auf dem Katharinenberge bewegt hatte, irrsinnig geworden. Schon die Tatsache dieser drei Irrsinnsfälle allein mag zu denken geben, sie wirkt aber geradezu sensationell, wenn man die Umstände in Betracht zieht, unter welchen der Wahnsinn bei diesen dreien als Tagediebe, Wüstlinge und Trinker bekannten Freunden Leopold Hilsners zum Ausbruche gelangte. Es sind dies der Kürschnergehilfe Carl J a n d a, der Glasschleifer Vincenz Zelinger und der Kürschnergehilfe Franz Jost, der Schwager Jandas. Der erste, dessen Geist sich unter den sonderbarsten Erscheinungen umnachtete, war Carl Janda. Er wurde nach einem Berichte des offiziellen k. k. Telegraphen-Korrespondenz-Bureaus vom 25. April 1899 an diesem Tage, also kurz nach Entdeckung des Verbrechens, als des Mordes an der Agnes Hruza verdächtig, in Prag verhaftet. Am 1. April, dem Tage der Auffindung der Leiche, begab er sich in ein Polnaer Gasthaus und berauschte sich bis zur Besinnungslosigkeit. Wiederholt besuchte er den Ort des Verbrechens. Unter Tränen klagte er seiner Umgebung, er fürchte, dass der Mörder auch ihn töten würde. Am 6. April reiste er nach Lieben bei Prag. Schon am 7. April bemerkte sein Quartiergeber, dass Janda sich in heftiger physischer Erregung befand. Er fand keinen Schlaf und schrie nichts wiederholt: „Johann bei Polna, ich bitte dich, schiess nicht auf mich \" Der Arbeiter Jankovsky machte die Wahrnehmung, dass Janda ein besonderes Verlangen nach Zeitungsnachrichten über den Polnaer Mord trug. In der Xacht vom 7. auf den 8. April ergriff er eine Hacke, kroch auf das Dach des Nachbarhauses, von wo er sich herabstürzte, ohne sich erheblich zu verletzen. Er wurde zur Polizei gebracht, wo er erzählte, er werde von Mördern verfolgt, er sei bei dem Polnaer Morde anwesend gewesen und habe gesehen, wie ein magerer Mensch der Agnes Hruza den Hals durchschnitt; er selbst habe aber an dem Morde nicht teilgenommen. Janda wurde am 8. April der Irrenanstalt übergeben und daselbst vom Polizei-Öberkommissär Clic verhört. Er gab an, an dem Orte der Mordtat anwesend gewesen, selbst aber nicht der Mörder zu sein. Gleichzeitig wurde bei Janda eine Hausdurchsuchung vorgenommen und bei demselben blutbespritzte Kleider gefunden.. Eine Hose wies 6 kleine Blutflecken auf, während der