Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 8 (8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Zuvörderst sind es die ernsten Vertreter der Religionswissenschaft, an die sich Schreiner wendet,- von welchen er auch eine objektive Würdigung der von ihm dargelegten Tatsachen erhofft und erwarten zu können glaubt. Mit welcher Gründlichkeit Schreiner seines kritischen Amtes waltet, möge eine Zusammenstellung der Autorennamen und ihrer Werke bekunden, deren Aeusserungen, so weit sie das Judentum betreffen, er teils eingehender würdigt, teils mit einem Hinweis auf seine Ausführungen zu widerlegen sucht. Nachdem er das Schiefe einer „Charakteristik der Semiten" in Lassens und Eenans Werken dargelegt, beleuchtet er die neueren Urteile Harnacks in seiner bereits genannten Schrift „Das Wesen des Christentums", Wellhausens in seinen Werken „Israelitische und jüdische Geschichte" und „Reste arabischen Heidentums", Lemmes (Das Wesen des Christentums und die Zukunftsreligion), H. I. Holtzmanns (Lehrbuch der neutestamentlichen Theologie), Eudorf Buckens (Der Wahrheitsgehalt der Eeligion), Pfleiderers (Religionsphilosophie auf geschichtlicher Grundlage), Rauwenhoffs (Religionsphilosophie), E. v. Hartmanns (Das religiöse Bewusstsein der Menschheit im Stufengang seiner Entwicklung), Schürers (Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi), um gelegentlich auch Jülichers „Gleichnisreden Jesu", Schneclermanns „Der israelitische Hintergrund in der Lehre des Apostels Paulus", Wendts „Die Lehre Jesu", Biedermanns „Christliche Dogmatik", einen Aufsatz von Tönnies in der Wochenschrift „Die Zeit"' und einen von Hardy, im „Archiv für Religionswissenschaft", sowie Lipsius und Reichles Ansichten berichtigend zu streifen. Den übertreibenden Schilderungen der indischen Weisheit, deren Schöpfungen und religiöse Ideen Paul Deussen, der Uebersetzer von 60 Upanishads, des Veda und der Verfasser des „Systems der Vedante" höher als diejenigen der Propheten Israels einschätzt, stellt Schreiner die Darlegungen Oldenbergs (die Religion des Veda) und Auszüge aus Pischel und Geldners „Vedische Studien" gegenüber, um solche tendenziöse Uebertreibungen auf ihren wahren Wert zurückzuführen. Wenn von den Vertretern der Religionswissenschaft, die der Belehrung sich zugänglich erweisen, eine bessere Würdigung des Judentums zu erwarten ist, so ist dies vergeblich von jenen Schriftstellern zu erhoffen, die in Schopenhauers Geleisen wandelnd und von diesem beeinflusst, mit einer gewissen Verbissenheit an ihren Vorurteilen gegen das Judentum hängen und deren Urteile von einer gehässigen Gsinnung diktiert und bestimmt werden. Drei Bekämpfern des Judentums von diesem Schlage in jüngerer Zeit, die bei ihrer Stellung und ihrem Namen Beachtung finden, widmet Schreiner den zweiten Abschnitt seiner Schrift, um ihre Gedanken und Aeusserungen zur „Judenfrage" einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Dies sind 1. Paul de Lagarde, ein Gelehrter von streng antisemitischer Färbung, dessen „Deutsche Schriften" voll von Ausfällen gegen Juden und das Judentum sind, welch erstere er als „asiatische Heiden", letzteres als „abstrakten Götzendienst" gekennzeichnet wissen will; 2. Eduard v. Hartmann, der Philosoph des Lnbewussten, der