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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-08-01 · 8 (8.1902) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
8 (8.1902)
Date
1902-08-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 seine Ansichten in seinem „Das Judentum in Gegenwart und Zukunft" unter dem Einflüsse Schopenhauers und Lagardes gebildet hat. Nach Hartmann habe „das zur Einführung des Monotheismus auserwählte Volk mit der Genesis der beiden Tochterreligionen seine weltgeschichtliche Mission, wenigstens auf weltgeschichtlichem Gebiete erfüllt", und er findet, dass die Zurücksetzung der Juden aus den Empfindungen „des Nationalgefühls und des Gerechtigkeitssinnes (!)" gerechtfertigt sei; 3. der Historiker Eduard Meyer, der sowohl in seinem Buche „Die Entstehung des Judentums", als auch im 3. Bande seiner „Geschichte des Altertums"' in einem längeren Exkurse Zeugnis davon ablegt, dass ihm das Wesen des Judentums fremd geblieben. In seiner Abneigung und Verkennung unseres Glaubens geht er so weit, nicht nur von „widersinnigen Sitten und Gebräuchen", von „absurdem Regelwerk" zu sprechen, sondern versteigt sich zu der Behauptung, „dem echten Judentum liegt der Begriff der Menschenwürde, der freien Entfaltung des Individuums und damit eine wahre Sittlichkeit zunächst ganz fern" als ob das Wort „der Mensch ist im Ebenbilde Gottes geschaffen" nicht in der Bibel stünde, und als ob Menschen-Hoheit und -Würde nach der Auffassung des Psalmisten 48 überboten werden könnte. In einem dritten Abschnitt tritt Schreiner dem neuen, vielgefeierten Propheten der „sozial-anthropologischen" Geschichtsbetrachtung entgegen und wird schier ingrimmig, da er mit den leichtfertign Aeusserungen, mit den gefährlichen Einfällen und gehässigen Ausfällen der geistreichen „Dilettanten"' Houston Stewart Chamberlain abrechnen muss. Schreiners Kritik wird zu einer lauten Anklage gegen Chamberlain, dass dieser, bei Unkenntnis selbst elementarster Tatsachen des Anteils der Juden an dem Ausbau der Wissenschaften, ohne Verständnis der wichtigsten religionsgeschichtlichen Vorgänge, die Geschichte der Juden in den Staub zu treten bestrebt war und macht ihn, wie die Literaten seines Schlages, dafür mitverantwortlich — da ihre judenfeindlichen Aeusserungen und Urteile eine suggestive Wirkung auf die gebildeten Kreise ausüben — dass in den Köpfen noch immer jene Wahngebilde von einem „Blutritus", von einer „jüdischen Geheimliteratur" herumspuken, und dass Bestrebungen sich geltend machen, auf dem Wege der Gesetzgebung nicht nur die Juden zurückzudrängen und zurückzusetzen, sondern auch das Judentum zu zerstören. Seiner Abwehr fügt Sehr, im Anhange noch eine Darlegung „der Idee des Martyriums im Judentume" an, an welche er ernste, beherzigenswerte Mahnungen knüpft, die er an die Stammes- und Glaubensgenossen richtet, damit diese ihre Pflicht erkennen, und damit gegen alle Unbill und Ungerechtigkeit das stolze Bewusstsein sie feie, Erben zu sein einer unvergleichlichen Vergangenheit, einer reinen, hehren Lehre, die uns zum Guten, zur Wahrheit erziehen will, deren Ideen nicht die Vernunft in Fesseln schlagen, sondern den «Geist erhellen, das Gemüt erwärmen, das Leben heiligen und verklären. Landsberg a. W., den 13. Iuni 1902. („Im deutschen Reich".) Dr. Bernhard Elsass.

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