Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 8 (8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 dass Euch die geringsten Kosten entstehen, wird man sich Eurer annehmen und, sei es unmittelbar, oder wo es der Verbindungen bedürfen sollte, mittelbar, alle diejenigen Schritte tun, die zu Eurem Besten unternommen werden können." Ein Buch zur Abwehr. Wohl selten ist mit solchem wissenschaftlichen Eüstzeug die kritische Sonde an die einseitigen und ungerechten Urteile, welche selbst ernste Gelehrte und Forscher über Juden und Judentum fällen, angelegt worden, wie vor kurzem in der im Verlage von S. Cronbach erschienenen Schrift „Die jüngsten Urteile über das Judentum", kritisch untersucht von Martin Schreiner, dem Dozenten an der Lehranstalt der Wissenschaft des Judentums. Ein Buch zur Abwehr im besten Sinne des Wortes ist diese Schrift; sie führt eine Fülle von Tatsachen an, um den Nachweis zu erbringen, dass selbst Männer von Kuf und Namen, weil sie vornehm über die Ergebnisse der Wissenschaft des Judentums hinwegsehen, der Entwicklung, Entfaltung und Gestaltung des jüdischen Geisteslebens verständnislos gegenüberstehen, abgesehen davon, dass die meisten trotz anscheinlicher Objektivität von bestimmten Voraussetzungen ausgehen, welche die Unbefangenheit ihres Urteils trüben. Infolge dessen entsprechen ihre Darstellungen wenig der Wirklichkeit und sind der Erkenntnis der Wahrheit nicht förderlich. Drei Fehlerquellen sind es, welche Sehr, aufdeckt, die eine gerechte und vorurteilslose Würdigung des Judentums verhindern. 1. Die christologische Geschichtsbetrachtung, für die das Judentum nur als Vorstufe des Christentums gilt und welche die spätere Geschichte und Entwicklung jüdischen Geisteslebens gänzlich ausbracht lässt, als ob mit der Entstehung des Christentums die Mutterlehre ihre Existenzberechtigung eingebüsst hätte. Es ist jene leidige Zuspitzung, wonach alle Ereignisse der jüdischen Vorzeit nur unter dem Gesichtswinkel betrachtet werden, in wie weit sie das Auftreten Christi vorbereitet haben. Infolge dessen werden dann die Anschauungen und Lehren des Judentums so zurechtgestutzt, um sie als Folie benützen zu können, an der sich die Lehre des Evangeliums umso wirksamer abhebt. Dabei leitet die christlichen Theologen das Bestreben, die tendenziöse Darstellung des Neuen Testaments, welche vor einer objektiven historischen Kritik nicht standhalten kann, als richtig und berechtigt nachzuweisen. 2. Eine andere Fehlerquelle, welche das Urteil noch mehr zu trüben geeignet ist, wird von Sehr, als „die paulinische Eligionspsychologie" bezeichnet, „welche die Gesetzesreligionen und ihre subjektiven Wirkungen auf ihre Bekenner stets mit dem Massstabe des Heidenapostels misst". Von dem Standpunkt des Apostels Paulus aus, der zuerst den Gegensatz zwischen den Forderungen des Judentums und den Ansprüchen der neuen Verkündigung geschaffen, wird noch immer von der „Werkheiligkeit", vom „Joche des Gesetzes", von der Starrheit und Unveränderlichkeit des religiösen Prinzips innerhalb des Juden-