Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 8 (8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 wendung wollen wir nicht rasten, alle sittlichen Mächte anzurufen —■ wollen wir auch die Aufbringung der materiellen Mittel erstreben, die die Weiterführung der grossen Aufgabe erheischt. Indem wir hierzu verbunden sind, wirken wir für die Erlösung unserer Stammesgenossenschaft aus sozialer Xot; indes wir wirken damit auch für die sittliche Höherführung und für die Kultur alles dessen, was Menschenantlitz trägt. Als Mittel zur Bekämpfung kommt zunächst die internationale Organisation in Betracht, welcher angehören: 1. Die Central Vigilance Society in London und 2. die einzelnen Nationalkomitees. Das Deutsche Nationalkomitee umfasst eine grosse Anzahl von einzelnen Organisationen, darunter auch das jüdische Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Das letztere wird im Rahmen der deutschen National- Organisation an dem anfangs Oktober in Frankfurt a. M. stattfindenden Kongresse zur Bekämpfung des Mädchenhandels teilnehmen. Es hat in vielen Fällen sich um die Befreiung unfreiwillig Entführter und Betrogener bemüht und die Mittel zur Wiederaufrichtung Geretteter zusammengebracht. Entsprechend den Warnungsrufen, die von anderer Seite zahlreich verbreitet wurden, hat auch das jüdische Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels eine „Warnung an allein reisende Frauen und Mädchen" entworfen. Sie ist in deutscher Sprache und im Jargon (mit hebräischen Schriftzeichen) druckfertig. Das allseitig gewährte Entgegenkommen setzt das Komitee in den Stand, die Warnung bereits mit den Namen von 50—60 Personen in Deutschland, England etc., die sich der Auskunft- oder Hilfesuchenden annehmen wollen, zu veröffentlichen. Indes soll die Liste der Unterzeichner noch vervollständigt werden, ehe zur Verbreitung der Warnung in osteuropäischen Gemeinden, Grenzstationen, Hafenorten, auf Bahnhöfen, Schiffen usw. geschritten werden wird. Bezüglich der von der „Oesterreichiseh -Israeli tischen Union" angeregten Aussetzung von Ergreiferprämien sagt der Bericht wörtlich: Die verdienstvolle Oesterreiehisch-Israelitische Union wollte Prämien aussetzen und dies in allen grossen Blättern der Welt, aber auch in den jüdischen Blättern Galiziens und Eussisch-Polens Veröffentlichen. Die Prämien sollten an diejenigen gegeben werden, die die Ergreifung jüdischer Mädchenhändler ermöglichen. Unser Komitee hat den Plan reiflich erwogen, auch den Londoner Freunden unterbreitet. Wir haben bis jetzt uns nicht von seiner Zweckmässigkeit überzeugen können, hauptsächlich deshalb nicht, weil die Durchführung der Manipulationen der Mädchenhändler schlauerweise so gestaltet ist, dass nur in verhältnismäsisg wenigen Fällen Verurteilung und Bestrafung gelingt. Die ganze Diskussion zwischen den Kongressen, den Eegierungen und allen, die sich mit den einschlägigen Fragen beschäftigen, dreht sich zu einem wesentlichen Teile darum, dass Beginn, Fortsetzung und Vollendung dieser Art von Verbrechen sich über mehrere Länder zu verteilen pflegen und die Bestrafung dadurch sich oft nirgends erreichen lässt. Die internationale Uebereinkunft, die nun zur Beseitigung dieser aus der Gesetzgebung der einzelnen Länder herrührenden Besonderheiten beabsich-