Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 8 (8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Plätzen des In- und Auslandes Zweig-Komitees, mit denen es internationale Beziehungen bezüglich Beobachtung der Verbrecher etic. unterhält. Dem Herd des Mädchenhandels in Europa. Galizien, hat diese internationale Verbindung durch einen an die dortigen Babbiner gerichteten, in hebräischer Sprache verfassten Aufruf beizukommen versucht, der an die Mitarbeit der geistlichen Hirten Israels zur Bekämpfung und Ausrottung ds LTebels appelliert. Die Arbeit ist in den ersten drei Jahren absichtlich ganz im Verborgenen getrieben worden. Es ist ihr u. a. die Uebersetzung aus dem „Lupanar" zu danken, welche grauenvolle Einblicke in das Treiben der „Kaften" (Bezeichnung der brasilianischen Volkssprache für Mädchenhändler) gewährt und durch schonungslose Nennung der in Südamerika bekannt gewordenen Mädchenhändler einen wertvollen Beitrag zur Geschichte des unseligen Handels mit weissen Sklavinnen bildet." Der Bericht konstatiert, dass unsere Glaubens- und Stammesgenossen im Osten aufrichtungsfähig geblieben sind, dass sie aber der Unterstützung und Mitwirkung der Judenheit der ganzen übrigen Welt bedürfen, um die Einflüsse der Vernichtung und Verwahrlosung beseitigen zu können, die sie von aussen umschleichen und sie völlig zu verderben drohen. Der Referent betont, dass der Mädchenhandel nur eine Teilerscheinung der veralteten Zustände in den osteuropäischen Ländern und der elenden wirtschaftlichen Lage unserer dortigen Stammesgenossen sei und eine gründliche Bekämpfung nur dann von Erfolg wäre, wenn eine allgemeine Besserung der sozialen Lage der Juden in Galizien herbeigeführt werde. Es müsse mit Betrübnis ausgesprochen werden, dass zehntausende von Mädchen Jahr ein, Jahr aus verschleppt und verschachert werden, verfallen und verkommen. Freilich seien darunter auch viele Xiehtjüdinnen aus der Schweiz und Italien. Der Hauptexport rekrutiere sich jedoch von Galizien.. Ungarn, Russisch- Polen und Südrussland und die tausende von Opfern dieses Handels sind zum grossen Teile Jüdinnen und die Bande der Sklavenhändler bilden die eigenen Stammesgenossen. Selbst wenn es keine anderen als nüchterne und selbstische Beweggründe gäbe, so würde schon für jedermann, dem körperliche und seelische Gesundheit als wichtige Errungenschaft für den Einzelnen., für die Gesamtheit und für kommende Geschlechter gelten, die Bekämpfung des Handels mit weissen Sklavinnen als ernste Pflicht erscheinen müssen. Für uns, als Juden, treten hochwichtige Momente hinzu. Es genügt nicht, dass wir uns lossagen von jener Botte von Elenden, die mittelst des verwerflichsten aller Gewerbe unserer Stammesgenossenschaft Schande bereiten und den NamenGottes entheiligen. Wir sind berufen, kraft unserer Sendung als Israeliten, sie unschädlich zu machen; das trifft auch für solche zu. die nicht unserem Stamme entsprossen. Es liegt uns ferner ob. den Objekten des Raubes und der Verfolgung ohne konfessionelle Unterscheidung unsere tatbereite Hilfe zu leihen. Dabei jedoch darf es noch nicht sein Bewenden haben. Wir täten wenig, wenn wir nicht den Ursachen nachgehen. Zu ihrer Ab-