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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-08-01 · 8 (8.1902) · p. Seite 4

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
8 (8.1902)
Date
1902-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 iigt ist, hat ihre eigentümlichen Schwierigkeiten. Der Kongress wird sich wieder damit beschäftigen. Indes stehen wir dabei erst in den Anfängen der Erwägung. — Bei dieser Sachlage fürchten wir, dass zwar die Aussetzung von Prämien kaum etwas nützen, wohl aber ein skrupelloses Denunziantentum zu mancherlei, nicht selten betrügerischen Machenschaften heranziehen würde. Wir sind endlich der Meinung, dass, wenn überhaupt die Aussetzung von Prämien in Erwägung gezogen werden sollte, dies eine interkonfessionelle so gut, wie eine internationale Angelegenheit ist; sie müsste alle Mädchenhändler betreffen. Wir könnten — ihre Zweckmässigkeit einmal vorausgesetzt — jüdischerseits an ihr mitwirken, hätten sie aber nicht von uns aus aufzunehmen. Der Eeferent bespricht sodann die sozialen und wirtschaftlichen Ursachen des weissen Sklavenhandels in Galizien und fährt dann fort: „Wir wollen nicht ruhen und rasten, bis wir weit und breit zur Erkenntnis gebracht haben, dass alles vom Osten ausgehende Elend verstanden werden muss, wenn an ihm gebessert werden soll. Der vom bayrischen Komitee im Kongresse eingebrachte Antrag, der Kongress möge das ursprüngliche Arbeitsprogramm dahin erweitern, dass auch die Quellengebiete des Mädchenhandels in wissenschaftlicher Weise barbeitet werden, um praktisch zu seiner Bekämpfung verwendet zu werden, findet also unsere volle Sympathie. Kommt er zur Ausführung, so werden unsere Grundauffassungen Bestätigung finden, die wir aufs Neue in dem an das Nationalkomitee zu richtenden Bericht auszudrücken haben werden. Nun haben wir aber nicht nur unsere Grundauffassungen zur Anerkennung zu bringen; es liegt uns auch ob, in ihrem Sinne unausgesetzt tätig zu sein. Freilich seit dem die grossen Vereinigungen: die Hilfsvereine in Wien und Berlin, der Orden B. B., die Alliance, die J. C. A., die Union, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund etc. etc. zu dem Bettungswerk in intimere Beziehung treten, strahlt uns die Aussicht auf systmatisches Vorgehen entgegen. Allein so Gewaltiges ist zu tun, dass die Arbeit doch wird geteilt sein müssen." Das Komitee denkt an eine regelrechte Aussendung von Sendbotinnen und hat die ersten Schritte zur Ausbildung solcher schon getan. Gelänge es, auch galizische Sendbotinnen heranzuziehen, so würde^das Werk umso vollkommener durchgeführt werden können. Es sind sonach drei Hauptaufgaben, die das Komitee seiner ferneren Tätigkeit zunächst zugrunde legt: 1. Die Fortsetzung der bisherigen Arbeit im Sinne der allgemeinen Bestrebungen zur Bekämpfung des Mädchenhandels; 2. die kräftigst zu bewirkende Aufklärung über die sozialen und ökonomischen Ursachen der Beteiligung von Juden und Jüdinnen an Kaftismus und Prostitution und über die Notwendigkeit unverzögerter radikaler Abwendungsmassnahmen; 3. die Heranbildung und Verwendung gut hergerichteter Sendschaften für die Quellengebiete wirtschaftlicher, geistiger und sittlicher Versumpfung.

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