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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-07-01 · 7 (7.1902) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
7 (7.1902)
Date
1902-07-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 der Fremdling sein, der sieh bei Euch aufhält, liebe ihn, wie Dich selbst, denn Fremdlinge seid Ihr gewesen im Lande Aegypten" bildet, heisst es: „Tuet nicht unrecht im Gewichte, im Längenmass, im Münzgewichte und im Hohlmass; richtige Wage, richtige Gewichtsteine, richtiges Epha und richtiges Hin sollt Ihr haben, ich bin der Ewige, Euer Gott, der Euch aus dem Lande Aegypten geführt hat.4' Im Deuteronomium C. 25, V. 13—16, wird das Gebot der Redlichkeit im Handel in noch verschärfter Weise mit dem Zusätze wiederholt: Damit Du lange bleibest in dem Lande, das der Ewige, Dein Gott Dir gibt, denn ein Greuel ist dem Ewigen, Deinem Gotte, ein jeder, der solches tut (zweierlei Masse und Gewichte hat), ein jeder, der unrecht tut. In den ausserpentateuchischen Büchern der Bibel, sowohl in den Propheten wie in den Hagiogryphen, finden sich unzählige Stellen, in welchen Folgerechtigkeit und Unredlichkeit im Handelsverkehr nicht nur aufs schärfste getadelt und als schwere Sünde hingestellt, sondern auch als die Hauptursache bezeichnet werden, welche mit Notwendigkeit den F^ntergang des Staates und das Verderben des Volkes herbeiführen muss. Von der Anführung der diesbezüglichen Schriftstellen kann ich hier umsomehr absehen, als hier nur die den Handelsverkehr regelnden gesetzlichen Bestimmungen Bäum finden sollen. In moralischer Beziehung sei nur noch so viel bemerkt, dass die Propheten und Volkslehrer mit demselben Feuereifer, wie gegen Götzendienst und sittliche Entartung, auch gegen Unrecht und Fairedlichkeit im Handel und Wandel auftraten, beides für gleich sündhaft erklärten und beiden in gleicher Weise die Schuld an dem allmählichen Verfalle, der ganz bestimmt mit dem völligen Fmtergange enden werde, zuschrieben, und darum auch eine Verjüngung und Wiedergeburt von der Wiederherstellung des Rechtes und der Gerechtigkeit abhängig machten. Der Prophet Jesaia schliesst seine am Sabbat vor dem Gedenktage der Zerstörung Jerusalems in allen Synagogen vorgetragene Straf rede mit den Worten: Zion wird durch Recht erlöst werden und die dahin Zurückkehrenden durch Gerechtigkeit. Faid der Prophet Arnos (C. 8, V. 5) verkündigt, dass jene den FTntergang des Reiches Israel beschleunigen, „die nach dem Gute des Armen lechzen, viel Getreide aufhäufen und mit dessen Verkauf warten, bis sie dessen Preis in die Höhe getrieben, das Epha (Mass) kleiner, den Schekel (Silbermünze) grösser gemacht und falsche Wage benützen können." Das talmudisch-rabbinische Handelsgesetz hat die oben angeführten pentateuchischen Gebote zur Grundlage, ist aber von solcher Ausführlichkeit und enthält solch präzis gefasste Bestimmungen für alle im Handelsverkehre sich ergebenden Fälle, dass bei deren allgemeinen Beobachtung selten ein Prozess zwischen Käufer und Verkäufer und noch seltener eine F'ebervorteilung des einen oder des anderen vorkommen würde. Die wesentlichsten dieser handelsrechtlichen Bestimmungen sind folgende:

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