Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 7 (7.1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 trage, dass die Versöhnung der streitenden Parteien nach einem Konflikte nicht unmöglich gemacht werde. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass die erstrichterliche Anschauung von der Unzulänglichkeit der vorgebrachten Beweise richtig sei, weil den den Wachsmann und Sachs belastenden Aussagen gegenteilige entlastende gegenüberstanden, und weil auch zugegeben werden müsse, dass diese beiden Angeklagten jedenfalls nur eine Abwehrtätigkeit gegen zugefügtes Unrecht entfalteten. Nachdem aber die Anklage auf versuchte leichte Körperverletzung lautete, wurde als bisher unberücksichtigtes Moment ins Treffen geführt, dass eine solche Anklagekonstruktion vor dem Gesetze nicht haltbar sei, weil eine bloss versuchte leichte Körperverletzung nur unter den Begriff einer Ehrenbeleidigung subsummiert werden könne, diesbezüglich aber kein Klageantrag eines Privatbeteiligten vorliege. Das Berufungsgericht akzeptierte vollinhaltlich die Anschauung des Verteidigers und bestätigte das erstrichterliche Urteil, so dass alle an den Exzessen Beteiligten, Juden und Christen ohne Unterschied, endgiltig freigesprochen erscheinen; ein Resultat, welches deshalb als erfreulich bezeichnet werden muss, weil auf diese Weise das frühere friedliche Nebeneinanderleben der verschiedenen Konfessionen in Damboritz wieder gewährleistet erscheint. Die Blutlüge. Im Jänner und April sind in Eibenschitz zwei Kinder, und zwar die zehnjährige Beatrix Martinek und Josef Taborsky, plötzlich verschwunden. Von gewisser Seite wurde sofort die Gelegenheit benützt, das lügenhafte Gerücht zu verbreiten, dass die Kinder von Juden „zu rituellen Zwecken" benützt wurden. Die Gendarmerie pflog mit Ausdauer Nachforschungen, welche umso schwieriger waren, als keine Spur von den Kindern entdeckt werden konnte. Endlich gelang es sicherzustellen, dass die Kinder in der Iglawa ertrunken sind. Die Leichen wurdenimFlusse gefunden. Es wurde sichergestellt, dass der Knabe Josef Taborsky aus eigener Unvorsichtigkeit in des Wasser gestürzt und ertrunken ist. Bezüglich der zehnjährigen Beatrix Martinek kam hervor, dass deren Vater Bernhard Martinek den Tod seiner Tochter verschuldete, weshalb er in strafgerichtliche Untersuchung gezogen wurde. * Aus Budweis wird gemeldet: Dieser Tage hat in Kaiisch bei Budweis ein Bauernbursche das Geständnis abgelegt, dass er vor mehr als vier Jahren an der 19jährigen Petronella Philipp in einem Walde ein Attentat verübt und sie ermordet habe. Dieser Mord hatte seinerzeit grosses Aufsehen erregt, da die tschechischen Blätter Südböhmens, als die Nachforschungen der Behörden kein Resultat ergaben, denselben für antisemitische Zwecke auszubeuten versuchten.