Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 7 (7.1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Da ist es denn mit Freuden zu begriissen, dass endlich ein aus dem Borne umfassender Gelehrsamkeit geschöpftes Werk erschienen ist, das den organischen Zusammenhang des Judentums mit der Religion des Volkes Israel in lichtklarer Weise dartut und das Judentum, wie es in der Geschichte und im Leben der Juden in Erscheinung t ritt; zur Darstellung bringt . Dr. G ü d e m a n n, Oberrabbiner in Wien, hat unter dem überschriftlich angeführten Titel eine Schrift erscheinen lassen, die gewiss recht bald die weiteste Beachtung finden wird und die es auch verdient, die grösste Verbreitung zu finden, da sie in hervorragender Weise geeignet ist, eine richtige Auffassung üben* das Wesen des Judentums, die1 sieb in seiner Darstellung auf über das Wesen des Judentums und seine Stellung zu anderen Bekenntnissen zu vermitteln. Der Verfasser beschränkt sich in seiner Darstellung auf die konstitutiven Momente des Judentums, die als solche in der Geschichte der finden sieb erwiesen haben, weil von diesen aus das Ganze des Judentums am untrüglichsten überblickt und beurteilt werden könne. In sechs Abschnitten: ..Die Familie, der Gottesglaube, der Mensch, das Ebenbild Gottes, das Diesseits und das Jenseits, die Lehre und das heben, die Eoffnung für die1 Zukunft*4 wird das Judentum in seinen Grundzügeu und nach seinen geschichtlichen Grundlagen dargestellt. Der Mutterboden, auf dem die israelitische Religion emporgewachsen, ist das V a m i 1 i e n 1 e b e n. Andere Völker leiten ihren Ursprung von Heroen oder Gesetzgebern ab. In der Urgeschichte des Volkes Israel sind es hauptsächlich Familienszenen, fern von allem Wunderbaren und jeder Uebertreibung, die in der Bibel zur Darstellung kommen. AYas aber bei einem Volke an den Anfang seiner Geschichte verlegt wird, als der Keim, aus dem es sieb entwickelt bat, das macht auch den Grundzug seines Wesens aus. Zum Familienleben stand die israelitische Religion im innigsten Verhältnisse. Mit der sittlichen Konstituierung der Familie ist der Monotheismus an Stelle der Vielgötterei getreten. Er ist nicht das Ergebnis der Spekulation, sondern in der ganzen Bibel Gegenstand der Erfahrung. Es war kein nationaler, sondern universalistischer Gott, der von den ältesten Zeiten an in Israel Verehrung fand. Durch die Betrachtung des Sternenhimmels ist Abraham zur Anerkennung des einen Gottes gekommen. Die dadurch erlangte Kenntnis kann sich nur auf den universalistischen Gott bezogen haben. Mose hat dann den Monotheismus zum Lebensnerv des ganzen Volkes gemacht. Der Entwicklungsprozess des Monotheismus betrifft nicht den Gottesbegriff selbst, sondern dessen Geltungsgebiet und Ausdrücke, wie der Gott Abrahams, der Gott Israels, bezeichnen nur die Stationen dieses Geltungsgebietes, wiche der Monotheismus bis zu seiner vollständigen Ausbreitung und Befestigung zurückgelegt hat. Von höchster Bedeutung ist bei dieser universalistischen Gottesverehrung, dass das individualistische Moment seine volle Geltung fand, dass das persönliche Verhältnis des Menschen zu Gott zu klarem Bewusstsein kam. Der Israelit brauchte sich nicht