Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 6 (6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 nächst hat jeder Aus^anderungslustige bei seiner Eintragung in die gesellschaftlichen Emigrationslisten einen Reisebeitrag von 150 Francs unter gleichzeitiger Beibringung amtlicher Beweise für seine rumänische Abkunft zu erlegen. Und zwar haben junge Leute bis zum vollendeten 19. Jahre ihren Geburtsschein vorzulegen, während von Auswanderungslustigen, welche über 21 Jahre alt sind, die Vorweisung eines die Erfüllung ihrer Militärstellungspflicht in Rumänien bezeugenden Documentes gefordert wird. Ausserdem hat sich jeder, der auswandern will, einer von mehreren hierzu besonders bestimmten Aerzten vorzunehmenden körperlichen Untersuchung zu unterziehen, da nur gesunde und arbeitsfähige Männer in die Auswanderungs-Gesellschaften aufgenommen werden. Junge Leute im Stellungspflichtigen Alter sind principiell von derEintragungin die gesellschaftlichenEmigrationslisten ausgeschlossen. Dass trotzdem manche zu dieser Kategorie gehörige junge Männer sich auf privatem Wege die Behelfe zur Auswanderung zu verschaffen wissen, scheint aus einer Meldung hervorzugehen, der zufolge bei der letzten Vorrufung des Jassyer Recruten-Contingents an 40 Percent der Stellungspflichtigen gefehlt haben sollen. Die Auswander werden mit rumänischen Pässen versehen und legen die Fahrt nach Rotterdam via Budapest- Wien unter Ueberwachung und Schutz besonderer Vertrauensmänner der oben erwähnten grossen israelitischen Wohlthätigkeitsvereine zurück. Je nachdem die Emigranten in ihrer neuen Heimat ein Handwerk betreiben oder sich mit der Landwirtschaft befassen wollen, werden sie entweder nach dem Innern der Vereinigten Staaten oder nach Canada gebracht. Emigranten, welche sich nach New-York begeben wollen, wo sich bereits an ^5.000 rumänische Israeliten befinden, werden nicht in die gesellschaftlichen Auswanderungsgruppen aufgenommen, sondern müssen ihr Glück auf eigene Rechnung und Gefahr versuchen. Recht günstig lauten die Nachrichten aus Canada, wo die Regierung den Ansiedlern ausser je 180 Acker Land zur Bewirtschaftung jede mögliche Erleichterung der Ansässigmachung gewährt. Welchen Schaden Rumänien durch die Auswanderung jüdischer Handwerker erleidet, mag man unter anderem auch aus einer Zuschrift erkennen, welche das in Berlin erscheinende Wochenblatt „Nation" von einem „protestantischen Grossindustriellen, der zugleich in unserem öffentlichen Leben eine hervorragende Stellung einnimmt", erhält und in der es heisst: „Als genauer Kenner des Landes kann ich nur bestätigen, dass sich dort das Handwerk zum grossen Theile in den Händen der jüdischen Bevölkerung befindet. Tapezierer, Buchbinder, Schneider, Maler u. s. w. sind in grosser Mehrzahl Juden, und in einer Anzahl von Orten würde man vergebens in manchen Gewerben einen christlichen Handwerker suchen. Es gibt deren noch unter den eingewanderten Oesterreichern. Ungarn und Deutschen, auch einige Italiener, aber die rumänische Bevölkerung betreibt in ihrer grossen Mehrzahl den Ackerbau, und nur in den grösseren Städten hat sie sich nach und nach auch dem Handwerk und dem Gewerbe zugewandt. Vor einigen Jahren hat man in Bukarest den Versuch gemacht, eine Industrie-Ausstellung zu veranstalten. Sie ist auch zustande gekommen, machte aber einen überaus kläglichen Eindruck — weil man keinen Juden als Aussteller zugelassen hatte. In einer besonderen Abtheilung stellten diejenigen aus, welche nach Rumänien lieferten, und zu dieser Ausstellung wurden auch jüdische ausländische Firmen zugelassen. Ohne solche bedauernswerte Engherzigkeiten würde die Ausstellung ohne Zweifel ein weit besseres Bild der gewerblichen Thätigkeit des Landes abgegeben haben. Zu dem Fiasco trug dann ferner bei, dass die jüdische Bevölkerung sich von dem Besuche der Ausstellung gänzlich fernhielt. Die Bedrückung der rumänisch-jüdischen Handwerker und die Erschwerungen,