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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-06-01 · 6 (6.1902) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
6 (6.1902)
Date
1902-06-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Nebengeschäfte in der Schule. Elf jüdische Kaufleute der Papierbranche in Kolomea richten an uns eine Beschwerde, in welcher es heisst: „Die Gesellschaft „Gegenseitige Lehrerhilfetf zu Kolomea gründete im „Närodni Dom" eine Handlung mit Schulrequisiten. Abgesehen von dem Umstände, dass die Lehrer ihre ganze Thätigkeit dem Berufe der Jugenderziehung zu widmen hätten, wofür sie aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden, stellt sich die Gründung dieses Geschäftes und die Art seiner Leitung als die Schaffung eines neuen, in den Gesetzen nicht begründeten Monopols dar, welches die hiesigen Kaufleute dieser Branche in ihrer Existenz schwer bedroht. Die Monopolisierung erfolgt in einer Weise, die einerseits das Ansehen der Lehrer bei den Schulkindern untergräbt, andererseits deren ethisches Gefühl geradezu vernichten muss. Die Kinder werden gezwungen, die Schulrequisiten nur in der Lehrerhandlung zu kaufen, wo die Waren theurer sind als anderswo, um so den Lehrern einen unstatthaften Verdienst und Gewinst zuzuwenden. Infolge dieses Zwanges sieht das Kind in seinem Lehrer nicht seinen Erzieher, Freund und Rathgeber, sondern einen Ausbeuter,, der auf seinen Kreuzer lauert. Der Lehrer und die Lehrerin verwandeln den heiligen Tempel der Schule, wo das Kind sein Heiz und seinen Geist ausbilden soll, in ein Handelshaus, wo den Kindern verschiedene Strafen angedroht werden, wenn eines von ihnen anderswo als in der Lehrerhandlung ein Heft zu kaufen wagt. Um diese letztere Eventualität zu verhüten, sammeln die Lehrer von den Kindern zwangsweise im vorhinein Geld ein und verwandeln auf solche Weise die Schule in eine Markthalle. Um diesem Lehrerscandal ein Ende zu machen und der entrüsteten öffentlichen Meinung Ausdruck zu geben, beriefen die hiesigen Bürger am 8. Februar eine Volksversammlung in den Rathhaussaal der Stadt Kolomea ein. Unter dem Vorsitze des Stadtarztes Dr. Rosenheck und des Buchhändlers Zyborski beschloss diese zahlreich besuchte Versammlung Resolutionen, die das unwürdige Vorgehen der hiesigen Lehrer verdammen und den Orts- und Landesschulrath auffordern, dem hier geschilderten Missbrauche abzuhelfen." Correspondenzen. Bukarest. Da sie die Thatsache einer Massen auswanderung von Juden aus Rumänien nicht in Abrede stellen können, suchen einige hiesige Blätter die Bedeutung dieser Emigration für das wirtschaftliche Leben des Landes dadurch zu vermindern, dass sie die Behauptung aufstellen, es seien zumeist arbeitsscheue israelitische Stromer, die nicht nach Rumänien zuständig sind und die Gelegenheit benützen, auf fremde Kosten nach Amerika zu kommen. Diese Behauptung ist grundfalsch und wird durch die Bedingungen, welche die unter dem Schutze und mit Unterstützung der „Alliance israelite" und der „Ica" jenseits des Atlantischen Oceans anzusiedelnden rumänischen Israeliten zu erfüllen haben, in beweiskräftigster Weise widerlegt. Zu-

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