Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-06-01 · 6 (6.1902) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
6 (6.1902)
Date
1902-06-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/9756662-9602426-9602584--0424-9602594
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

10 Marie S u c h a n e k agnosciert werden. Nach anstrengendem Suchen wurden aus dem Wasser der vorüberfliessenden Mettau auch der angebrannte Rumpf, sowie andere Körpertheile herausgezogen. Anfangs glaubte man, dass ein Irrsinniger namens Smrcek das Mädchen ermordet und verbrannt habe. Später zeigte sich, dass Smrcek schon etliche Tage vor dem Morde durch Selbstmord geendet hatte und daher nicht der Mörder war. Endlich gelang es der Gendarmerie, den ledigen Johann Jaros aus Barowa als der That dringend verdächtig festzunehmen. Am 2. Juni hat J ohann Jaros ein umfassendesGeständnis abgelegt. Das „Deutsche Volksblatt" suchte sich schon vorher zu salvieren. indem es für den Fall eines Schuldig-Spruches gegen Jaros bemerkte : „Werden die Geschworenen überzeugt durch die gegen Jaros erbrachten Beweise, dann kann dieser Gerichtsfall mit vollem Rechte als einzigjdastehend bezeichnet werden, dann hat man es hier mit einem Morde zu thun, bei welchem der Thäter alle Begleitumstände einer früheren That copiert, um den Verdacht von vorneherein von sich ab- und auf andere zu lenken . . .* Der Ausspruch gibt zu denken und könnte auch den Polnaer Mord in ein ganz neues Licht rücken. * Wie ein „Blutmärchen" entstellt. Aus Kuttenberg wird berichtet: Am 15. d. M. trat ein Dienstmädchen namens Anna Nespor in den Dienst der hiesigen Geschäftsfrau Elise Beck. Am folgenden Morgen theilte Anna Nespor ihrer Dienstgeberin mit, dass sie auf dem Posten nicht bleiben werde. Trotz dringender Fragen war das Mädchen nicht zu bewegen, den Grund ihres Entschlusses anzugeben. Ein zweites Dienstmädchen erzählte der Frau Elise Beck, dass sich Anna Nespor geäussert habe, man hätte ihr nachts Blut abzapfen wollen. Diese Beschuldigung verbreitete sich sehr rasch in der ganzen Stadt und versetzte die seit der Polnaer Affaire für derartige Gerüchte sehr empfängliche Bevölkerung von Kuttenberg in Aufregung, weshalb die Polizeidas Mädchen vom städtischen Arzte untersachen liess, der constatierte, dass das angebliche Opfer einer Ritual-Blutabzapfung an zwei Stellen am Arme Spuren von — \V a n z e n b i s s e n aufwies. * Ritualmord-Beschuldigung gegen einen Christen. Bei dem Ingenieur Herrn Bohuslav Arnold S c h w a m b e r g, Bau-Obercommissär im 18. Bezirk, Währingerstrasse 81, war das Dienstmädchen Aloisia Iro vom 6. Februar bis 3. Mai 1. J. im Hause. Am 4. Mai bat sie um Ausgang, der ihr auch unter der Voraussetzung bewilligt wurde, dass sie am Abend nachhause komme. Die genannte Magd blieb jedoch die ganze Nacht aus und auch noch den folgenden Vormittag. Als sie endlich gegen Mittag am 5. Mai wieder bei Herrn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.