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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-06-01 · 6 (6.1902) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
6 (6.1902)
Date
1902-06-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 .Rabbiner in Franzensbad die Gemeindeangehörigkeit daselbst nicht erlangte. Dass ein aus dem Jahre 1867 stammender Heimatschein über die Statusverhältnisse des Beschwerdeführers im Jahre 1900 keinerlei Aufschluss geben konnte, liegt auf der Hand. Die Reclamations- Commission wäre auch in der Lage gewesen, jene Constatierungen vorzunehmen, die zur Entscheidung über die Reclamation nach dem Vorhergesagten erforderlich sind, da ja eine rechtzeitige Entscheidung auch im Falle der Einvernehmung des Beschwerdeführers über die Behauptungen der Reclamation möglich gewesen wäre. Da — wie aus dem Vorgesagten sich ergibt — die Entscheidung der Reclamations-Commission auf einem theils irrthümlichen, theils unvollständigen Thatbestande beruht, musste dieselbe nach Vorschrift des § 6 des Gesetzes vom 22. October 1875, R.-G.-Bl. Nr. 36 ex 1876, aufgehoben werden." * Eine angebliche „Copie" des Polnaer Mordes. Am 26. Mai begann vor dem Königgrätzer Schwurgerichte die Verhandlung gegen den 46 Jahre alten, nach Barowa bei Nachod zuständigen Weber Johann J a r o s, welcher beschuldigt ist, am 21. September v. J. die 15jährige Näherin Marie Suchanek im Peklogrunde auf bestialische Weise ermordet und beraubt zu haben» Der Mord verursachte seinerzeit ungeheures Aufsehen, umsomehr, als man des Thäters lange Zeit nicht habhaft werden konnte und die Sache von antisemitischer Seite nach berüchtigten Mustern zu einem Ritualmorde gestempelt wurde. Das „Deutsche Volksblatt" bemühte sich, in sensationellen Berichten das Verbrechen als einen zweiten Polnaer Mord derzustellen und die christlich-socialen Abgeordneten Axmann, Dr. Weiskirchner und Genossen brachten in der Sitzung des* Abgeordnetenhauses vom 20. October 1901 eine aufreizende, gegen die Juden gerichtete Interpellation ein. Wir recapitulieren im Nachstehenden die Einzelheiten der furchtbaren Blutthat : Samstag den 21. September v. J. begab sich die 15jährige Näherin Marie Suchanek aus dem bei Nachod gelegenen Dorfe Lipi zu ihren Eltern nach Meziles. Am folgenden Tage sollte in Lipi Kirchweih gefeiert werden und das Mädchen erhielt einige Kuchen, welche es in einem Körbchen nachhause trug. Da das Mädchen bei den Eltern nicht ankam, erstatteten diese nach erfolglosem Suchen die Anzeige bei der Gendarmerie. Am 23. September fand der herrschaftliche Heger Valasek im Gestrüpp des „Peklogrundes" eine Brandstelle, auf der sich die verkohlten Reste eines menschlichen Körpers befanden. Die am Thatorte erschienene Commission stellte fest, dass die vorgefundenen Körpertheile die einer weiblichen Leiche waren. Unweit des Thatortes fand man das Herz der Ermordeten, ihr Körbchen,' einen Männerhut und einen Stock. Nach einem krummen Finger, nach den Kleiderresten und nach dem Körbchen konnte in der Ermordeten die verschwundene

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