Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 6 (6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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„Die von Jahr zu Jahr schwieriger werdende Stellung der Deutschen in Mähren, die entschiedenen Vorstösse des Gzechenthuras, das — unersättlich in seiner Eroberungsgier — die heute noch unter deutscher Führung stehenden gemischtsprachigen Orte für sich gewinnen will, machen es den Deutschen zur unabweislichen Pflicht, in unverbrüchlicher Eintracht, Schulter an Schulter zu stehen, um im gemeinsamen Kampfe die Angriffe der Czechen erfolgreich abwehren zu können. Damit nun diese Einigkeit unter den Deutschen aller Parteischattierungen unseres Kroniandes auch nicht durch den leisesten Misston getrübt werde, beschliesst die heutige ausserordentliche Hauptversammlung des Bundes der Deutschen Nordmährens, s ämmtliche Anträge auf Aenderung der grundlegenden Bestimmungen der gegenwärtigen Satzungen von der Tagesordnung abzusetzen. Die Hauptversammlung spricht ferner den Wunsch und die Erwartung aus, dass während der nächsten fünf Jahre von keiner Seite ein Versuch gemacht werden wird, an den bisherigen Grundlagen des Bundes etwas zu ändern, sondern dass vielmehr alle Kräfte zu erhöhter nationaler Arbeit im Bundesgebiete gesammelt und dem Deutschgedanken in unserem Lande in schöpferischer, aufbauender Arbeit dienstbar gemacht werden mögen." Die mährischen Juden, soweit sie noch nach einer solch zweifelhaften Ehre geizen, werden also vorläufig für weitere fünf Jahre als „Nationsgenossen" anerkannt, weil man sie im Kampfe gegen das aggressive Gzechenthum noch nicht entbehren kann. Anders stehen die Dinge in Deutschböhmen. Dort liegen sich vor allem die deutschen Fraction selbst in den Haaren, und es muss verhütet werden, dass die Juden vielleicht für die eine und gegen die andere Partei ergreifen. Zu diesem Zwecke stellt ein alldeutsches Blatt, „Die Tetschen-Bodenbacher-Zeitung", eine neue Theorie bezüglich der politischen Stellung der Juden auf. Bisher haben Deutsch-Völkische ebenso wie Deutsch-Volkliche die Juden als einen Krebsschaden für jeden Staat bezeichnet, in dem sie wohnen, und die vollständige Entrechtung, ja die Austreibung derselben gefordert. Nun schwenkt die „Tetschen-Bodenbacher Zeitung" plötzlich herum und schreibt: „Auch die antisemitischen deutschen Parteien können nicht daran denken, die Stellung der Juden als Staatsbürger anzugreifen, denn der Grundsatz der staatsbürgerlichen Gleichheit lässt sich nicht einseitig umstürzen . . . Der deutsche Antisemitismus richtet sich jedoch gegen die Stellung des Juden als Nationsgenossen, indem er ihm die Gleichberechtigung innerhalb des nationalen Verbandes nicht zu er kenn t."