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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-05-01 · 5 (5.1902) · p. Seite 17

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
5 (5.1902)
Date
1902-05-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Vi Offenbar hat ein bei der Herstellung der Mazzoth beschäftigter Gehilfe sich einen dummen Spass gemacht oder in böswilliger Absicht die Mazzoth verunreinigt. Letztere stammen aus der Mazzoth- Bäckerei des Herrn Kiesler in Przystupin bei Böhmisch-ßrod. Unter falschem Verdachte. In dem Dorfe Luszowice beiDombrowa verliebte sich der jüdische Müllergehilfe Schulim Schnur in ein Bauernmädchen und liess sich von den Angehörigen des letzteren bereden, beim Pfarrer von Wojnicz nächst Tarnow Unterricht in der christlichen Glaubenslehre zu nehmen, um sich dann taufen zu lassen. Der Pfarrer nahm den jungen Mann freundlich auf und wendete sich zugleich an die Bezirkshauptmannschaft in Dombrowa um Ausfertigung eines Taufscheines, Als der Vater Schulims, namens Schmul Leib Schnur, von der Absicht seines Sohnes hörte, eilte er zu dem Geistlichen und bat denselben fussfällig, er möge ihm den Jungen ausliefern — das Christenthum hätte aus dessen Uebertritt keinen Gewinn, da er dann weder Jude, noch Christ sein werde. Der Pfarrer hatte Mitleid mit dem Vater und liess den Sohn mit den Worten: „Aiech idzie do diabla" ziehen. Zuhause nun erklärte Schulim seinem Vater, dass er sich in Luszowice und in der Umgebung nicht mehr blicken lassen könne, er wolle daher nach Amerika auswandern. Schmul Leib Schnur nahm 200 Kronen auf und schickte den Sohn seinem Wunsche gemäss nach Amerika. Als derselbe bereits auf der Reise war, langte aus Luszowice eine Anfrage des Wojniczer Pfarrers ein, was mit dem Jungen geschehen sei. Der Geistliche forschte unter den Bauern nach dem Verbleibe Schulims und so verbreitete sich im Dorfe das Gerücht, dass der Junge von seinem eigenen Vater ermordet worden sei. Ja, mehrere Bauern erklärten sogar, gesehen zu haben, wie die Leiche des Ermordeten auf einem Wagen, in Stroh verpackt, nach Radomysl geführt worden sei. Auf Grund dieses falschen Gerüchtes machte der Ortsgeistliche von Luszowice eine Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft von Dombrowa, worauf dieselbe einen Commissär und mehrere Gendarmen nach Luszowice entsendete. Es wurden fünf Juden festgenommen, gefesselt, in einer offenen Kammer bei strenger Kälte eingesperrt und sodann von den Gendarmen nach Dombrowa escortiert. Als die Escorte während des Transportes in einem Wirtshause einkehrte, mussten die Gefangenen auf der Strasse bei starkem Frost, aneinandergefesselt, warten. Im Arrest des Bezirksgerichtes Dombrowa wurde ihnen angeblich drei Tage lang jede Nahrung vorenthalten. Die Angehörigen der Verhafteten wendeten sich nun durch den Bruder Schulims, der schon mehrere Jahre in New-York wohnt, an das österreichisch-ungarische Consulatmit der Bitte, Schulim nach seiner Ankunft sofort photographieren zu lassen und das Porträt mit einem authentischen Atteste nach Dombrowa zu schicken.

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