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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-05-01 · 5 (5.1902) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
5 (5.1902)
Date
1902-05-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 der beiden Dienstmädchen durch den Polizeiconcipisten Dr. Willibald Locker ergab, dass bei Leopold K raus am 26.März dessen Schwiegervater Dr.Jacob Neubauer, Berg- und Bahnarzt in Osseggbei Teplitz in Böhmen, und in der Zeit vom 30. März bis 8. d. der Cantor der jüdischen Cultusgemeinde in Budweis, Emanuel Weiss, der Schwager des Herr Kraus, zu Besuche waren, dass sie jedoch die Nächte nicht bei Kraus zubrachten, sondern bei anderen Verwandten nächtigten. Die Verletzte konnte nicht behaupten, dass sie von einem der beiden genannten Gäste verletzt wurde; sie vermuthet nur, wie sie erklärte, dass man ihr Blut abzapfen wollte, zumal auch das andere Dienstmädchen Auguste Hruska eine ganz gleiche Stichwunde vor ungefähr sechs Wochen am linken Arm auf unaufgeklärte Weise erhalten haben will. Diese ihre Vermuthungen theilte sie auch anderen Personen mit, und so dürfte das Gerücht entstanden sein. Die ärztliche Untersuchung der verletzten Therese J e d 1 i c k a ergab, dass sie thatsächlich an beiden Unterarmen je eine circa einen Millimete grosse, die oberste Hautschichte durchdringende Hautabschürfung habe, die jedoch keineswegs geeignet erscheine, Blutabzapfungen vorzunehmen. Das andere Dienstmädchen, Auguste Hruska, zeigte derzeit überhaupt gar keine Verletzung. Die Mattigkeit der verletzten Theresia Jedlicka dürfte ärztlichem Ausspruche zufolge lediglich eine Folge der eingebildeten Blutabzapfung sein. Woher die Verletzungen stammen, ist bisnun nicht aufgeklärt Leopold Kraus, Privatbeamter, 32 Jahre alt, sowie dessen Angehörige geniessen guten Leumund/ Die antisemitische Presse bemächtigte sich natürlich sofort dieses Falles. Das „Deutsche Volksblatt" begnügte sich nicht mit dem Abdrucke der amtlichen Meldung, sondern es schickte derselben noch den Bericht einer privaten Correspondenz voraus, in welcher erzählt wurde, die Jedlicka sei von zwei Männern überfallen worden und während sie der eine beim Kopfe hielt, hätte ihr der zweite an der rechten Hand eine Ader geöffnet und aus derselben das Blut entnommen. Das Blatt bestritt ferner die amtliche Meldung, dass die Wunde nur einen Millimeter gross gewesen sei und erklärte, darüber werde noch gesprochen werden. Es schloss seinen Bericht mit folgender Drohung: „Unseren Lesern diene zur Beruhigung, dass wir über diese so mysteriöse Angelegenheit eingehende Erhebungen eingeleitet haben und jedem Versuche die Wahrheit zu vertuschen, mit aller Entschiedenheit entgegentreten werden . . . Wir werden nicht säumen, das Unsere zu thun, wir wollen Klarheit und Wahrheit.* Die Redaction des „Deutschen Volksblatt" etablierte sofort ein „Reehts-Comite" nach dem Muster von Polna und beeilte sich, die beiden Mädchen noch vor deren gerichtlicher Vernehmung in die Hände zu bekommen. Am 6. April a. c. berichtete das „DeutscheVolksblatt" wörtlich: „Einige Freunde unseres Blattes brachten uns die Mädchen selbst ins Haus, wodurch unsere Berichterstattung über den Fall wesentlich erleichtert wurde. Die Mädchen wurden eingehend über ihre Angaben befragt und ihre Mittheilungen niedergeschrieben. Da die bedauernswerten Geschöpfe seit dem Vortage nichts genossen hatten, wurden sie in die Wohnung des Gemeinderathes S c h w e r. geführt, woselbst sie das Mittagmahl einnahmen. Während dieser Zeit wurde von der Polizei eingehend nach den Mädchen recherchiert und

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