Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 5 (5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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#i 12 Vice-Präsident Professor Dr. Ehrmann antwortet hierauf, dass die „Oesterreichisch-Israelitische Union" als politischer Verein durch das Vereinsgesetz behindert sei, sich mit auswärtigen Angelegenheiten zu befassen. Ueber diese Frage entwickelte sich eine längere und lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren Ehrlich, kaiserlicher Rath Ruzicka, Marcus, Baum, Architekt Marmore k, kaiserlicher Rath Anninger, Dr. Schalit, Dr. Hein und Dr. Elias betheiligten. Dr. Bloch bemerkte, dass die rumänische Judenfrage jedem österreichischen Juden ans Herz gehe, und wenn die Gesinnungsgenossen des Herrn Architekten M a r m o r e k eine allgemeine jüdische Volksversammlung einberufen würden, um über die rumänische Judenfrage zu berathen, so werden gewiss auch die Mitglieder der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" als Einzelpersonen bei dieser Versammlung erscheinen und niemand werde sich von einer allgemeinen Hilfsaction ausschliessen. Es sei aber absolut unzulässig, diese Frage in die Generalversammlung der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" hineinzutragen, eines politischen Vereines, der sich streng auf seinen statutenmässig abgegrenzten Wirkungskreis beschränken müsse. (Beifall.) Präsident: Indem ich allen Herren nochmals herzlich danke, erkläre ich die Generalversammlung für geschlossen. Aus unserem Rechtsschutz-und Abwehr-Bureau. Die Blutlüge. Am 4. April a. c. veröffentlichten die Wiener Blätter folgende Mittheilung des amtlichen Polizeirapportes : „Gestern vormittags wurde beim Polizeicommissariate Alsergrunr> die Anzeige erstattet, dass in der Pramergasse und insbesondere im Hause Nr. 25 das Gerücht verbreitet sei, dass zu den Osterfeiertagen beim Privatbeamten Leopold Kraus zwei Rabbiner aus Böhmen wohnten, und dass diese an den beiden christlichen Dienstboten des Herrn Kraus während der Nacht heimlich Blutabzapfungen zu rituellen Zwecken für die jüdischen Osterfeiertage vorgenommen hätten. Auf Grund dieser Anzeige wurde sofort der Poli/eibezirksarzt Med.-Dr. Franz. Schild in Begleitung zweier Polizeiagenten in das Haus entsendet um zu constatieren, was diesen Gerüchten zugrunde liege. Der Polizeibezirksarzt fand daselbst im dritten Stockwerke bei Leopold Kraus die Dienstmagd Theresia J e d 1 i c k a in sehr aufgeregtem Zustande; sie hatte den Kopf eingebunden und klagte über Mattigkeit und Schmerzen am ganzen Körper. Dem Arzte gab sie an, r<ass sie seit Ostersonntag nachts krank sei, und zwar infolge von zwei Stichen, die sie an den beiden Vorderarmen zeigte. Diese Stiche erhielt sie — der Erzählung des zweiten Dienstmädchens Auguste Hruska gemäss — in der Nacht vom Ostersonntag auf Ostermontag, und zwar zum Zwecke der rituellen Blutabzapfung. Theresia Jedlicka selbst weiss nicht, wie und von wem sie die Stiche erhalten, da sie in der fraglichen Nacht im tiefsten Schlafe gelegen sei. Die spätere eingehendere Einvernahme