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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-05-01 · 5 (5.1902) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
5 (5.1902)
Date
1902-05-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 und welchen Erfolg diese Action haben wird, können wir nicht voraussehen. Zweifellos werden wir Mitglieder in Galizien bekommen. Das ist keine Kunst; die Kunst liegt nur darin, sie auch zu erhalten. Wir werden unser Möglichstes thun. Herr Marcus theilt mit, dass er mit mehreren in verschiedenen Orten Galiziens ansässigen Personen der intelligenten Berufsclassen gesprochen habe, welche von der Existenz der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" keine Ahnung hatten. (Rufe: Hört! Hört! — Das sind vereinzelte Fälle! — Das sind Ausnahmen!) Präsident: Wünscht noch jemand das Wort zu einem Antrage? Herr Moriz Baum: Es wurde heute von mehreren Seiten darüber geklagt, dass die Mitgliederzahl nicht jene Höhe erreicht, die angesichts der Bedeutung unseres Vereines wünschenswert ist. Das sind die Klagen, welche nicht nur für die „Oesterreichisch- Israelitische Union44, sondern auch für alle anderen jüdischen Vereine gelten. Wir müssen uns nach der Ursache dieser Erscheinung fragen. Die Wiener Bevölkerung — die jüdische nicht ausgenommen — ist aus trägen Massen zusammengesetzt, die aufgerüttelt werden müssen. Unser Verein hat eine grosse Aufgabe vor sich, wenn er — bevor er in der Provinz agitiert — zunächst in Wien eine Propaganda entwickelt und sich dann erst auf Kunstreisen begibt. Die jüdischen Provinzbewohner brauchen die Aneiferung nicnt so sehr, sie sind ohnedies so hingebend und glaubenstreu, dass sie eine Einigungsaction gar nicht brauchen. Durch das enge Zusammenleben in kleinen jüdischen Gemeinden sind sie harmonischer geartet und alle fassen ihren Beruf dahin auf, Begeisterung in die jüdischen Massen zu tragen und sich für jüdische Interessen zu erwärmen. Die Abende, welche die „Union44 veranstaltet, sind sehr lehrreich und interessant; wir sind aber ein Verein für Rechtsschutz und müssen ins Leben hineingreifen und Themen berühren, die uns sehr nahe gehen. Wir haben in Wien eine Reihe von jüdischen ungelösten Fragen, die durch eine Discussion eine ausgiebige Förderung erleben könnten. Da sollte sich der Verein ansetzen und überall Wählerversammlungen einberufen, permanente Discussions-Abende für Gultuswähler und Gemeindeangehörige einrichten. Das würde zunächst dazu beitragen, dass der Verein in Wien eine feste Organisation der Judenschaft schaffen könnte. Herr Baum wünscht, dass die Vereinsversammlungen häufiger stattfinden und auch Gelegenheit zur Discussion über allgemeine jüdische Fragen bieten mögen. Herr Architekt Marmorek stellt die Anfrage, ob und in welcher Form die „Oesterreichisch-Israelitische Union44 zu der Verfolgung der rumänischen Juden Stellung nehmen wolle und könne.

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