Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 5 (5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Kais. Rath Ruzicka: Man darf nicht im allgemeinen ein Urtheil fällen; ich kann sagen, dass wohl ein Theil der Höchstbesteuerten die Bestrebungen der „Oesterreichisch-Israelitischen Union44 mit aller Liebe unterstützt. Wenn eine Anzahl noch ausständig ist, so ist das darauf zurückzuführen, dass sie in der Thätigkeit der „Union44 vielleicht eine Art Demagogenthum erblicken. Dagegen kann man nicht ankämpfen. Die „Union" ist zweifellos den richtigen Weg gegangen und hat gezeigt, wo man ansetzen muss, um einen Erfolg zu erzielen, nämlich im gesammten Bürgerthum, und wenn dieses in der „Union" sich zu einer Macht vereinigt, dann werden die Höchstbesteuerten schon kommen. Wenn ich aber bezüglich dieser Gruppe von Glaubensgenossen die Frage der Acquisition streife, so geschieht es nur, um Sie zu bitten, sich in dieser Hinsicht ganz auf den Präsidenten zu verlassen. Die Person des Herrn Paul-Schiff bürgt uns dafür, dass das Möglichste geschehen wird. Er hat Einfluss in der Gesellschaft und wird ihn auch weiterhin im Interesse der „Union44 bethätigen. (Beifall.) Herr Moriz Baum macht den Vorschlag, anstatt der Agitation durch Briefe eine solche durch persönliche Besuche in Angriff zu nehmen. Herr Julius Ehrlich gibt zu bedenken, dass Leute, welche zu diesem Zwecke aufgenommen würden, von den in Betracht kommenden Persönlichkeiten nicht empfangen, keinesfalls aber Erfolge erzielen würden. Nur wenn sich Mitglieder des Vorstandes dieser Aufgabe unterziehen würden, könnte eine derartige Action gelingen. Herr Max Marcus: Ich habe das Verzeichnis der Mitglieder durchgesehen und gefunden, dass gerade das Land, das uns am meisten zu schaffen macht, am wenigsten vertreten ist. Diese Frage ist doch so acut, dass man sich näher mit ihr befassen sollte. Man müsste in Galizien eine Propaganda einleiten, damit der derzeitige Mitgliederstand von 25—30 auf eine Zahl erhöht werde, welche mit der dem Lande gewidmeten Thätigkeit in Einklang zu bringen ist. Es gibt in Galizien viele wohlhabende Juden, die sich wohl für die „Union" bethätigen würden. Deshalb beantrage ich, dass auch in Galizien Wanderversammlungen abgehalten werden sollen. Secretär Fleischer: Die Anfrage des Herrn Vorredners hat ihre volle Berechtigung. Wer aber Galizien kennt, wird begreifen, dass wir vorerst die Organisation in Mittel- und Westösterreich durchgeführt haben. Wir haben unsere Wanderversammlungen zunächst in den anderen Kronländern und in der Reichshauptstadt abgehalten, in der auch ein bischen galizische Zustände herrschen. Aber gerade in den letzten Tagen sind Schreiben hinausgegangen an die Vertrauensmänner in Galizien, um Versammlungen der jüdischen Intelligenz zu veranstalten. Ob