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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-05-01 · 5 (5.1902) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
5 (5.1902)
Date
1902-05-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 wächst, aber es wundert mich, dass speciell diejenigen Juden, welche vom Glücke am meisten begünstigt sind, nur in geringer Anzahl Mitglieder des Vereines sind. Ich beantrage, dass Sorge getragen werde, diese Herren zur Beitrittserklärung, und zwar mit grösseren Beiträgen, zu veranlassen. Präsident: Auf die Anfrage des Herrn Vorredners beehre ich mich zu erwidern, dass ich gerade im Laufe der zwei letzten Monate 2600 von mir unterschriebene Agitationsbriefe, welche einen Auszug aus dem Thätigkeitsberichte enthalten, in Wien verschicken liess, darunter an alle Höchstbesteuerten. Leider hat auch dieser neuerliche und schon wiederholt unternommene Versuch mittelst schriftlicher Bitte die Höchstbesteuerien zum Beitritt zu bewegen, fehlgeschlagen, und ich glaube, dass kaum die Postspesen gedeckt wurden. Die Zahl der Höchstbesteuerten unter unseren Wiener Mitgliedern ist so gering, dass es den Anschein hat, als ob dieselben die Thätigkeit und die Nothwendigkeit unserer Organisation für überflüssig halten. Es ist dies umso bedauerlicher, als die« wenig oder gar nicht Besteuerten, doch hauptsächlich der bemittelten Glaubensgenossen halber unter dem Antisemitismus zu leiden haben. Ich hoffe, dass es uns in der nächsten Saison gelingen wird, durch mündliche Propaganda innerhalb der Höchstbesteuerten Fuss zu fassen. Der letzte Auszug des Rechtsschutzbureaus hat bekanntlich die antisemitischen Blätter in Harnisch gebracht. Es ist dies seitens der Vertreter einer Richtung, die den Juden für vogelfrei erklären möchte, begreiflich. Weniger begreiflich aber ist es, wenn Glaubensgenossen, darunter gerade Höchstbesteuerte, sich darüber aufgehalten haben, dass wir das, was wir thun, auch sagen. Herr Secretär Fleischer hat es bereits betont, dass wir keinen Anlass haben uns in Dunkelheit zu hüllen, und die geehrte Generalversammlung hat uns durch Ertheilung des Absolutoriums ihr Einverständnis mit unserer klaren und offenen Thätigkeit bekundet. Wir stehen nicht auf dem Standpunkte des Schutzjudenthums, wir beabsichtigen gewiss eine Reclame nicht zu entfalten, aber wir fühlen uns verpflichtet, unsere Mitglieder über unsere Thätigkeit zu informieren, denn nur dadurch können wir unsere Mitglieder erhalten und einen Mitgliederzuwachs mit Berechtigung erhoffen. Wir werden nach wie vor, ohne Rücksicht auf eine gewisse falsche Scheu oder wegen einzelner, um ihrer persönlichenStellung besorgterGlaubensgenossen, für denRechtsschutz des österreichischen Juden überall und jederzeit freimüthig eintreten. Gerade die grossen Erfolge, die wir in der letzten Zeit in der Provinz hatten, beweisen, dass wir uns auf dem richtigen Wege befinden. (Lebhafter, anhaltender Beifall.)

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