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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-04-01 · 4 (4.1902) · p. Seite 27

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
4 (4.1902)
Date
1902-04-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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27 Das jüdische Weltproletariat. Von II enri D a g a n. (Schluss.) Schlussfolgerungen. Was unmittelbar aus diesen unwiderleglichen Thatsachen, die wir bisher angeführt haben, hervorgeht, ist, dass ein gewaltiges jüdisches Proletariat existiert und dass die reichen, wohlhabenden geschäftstreibenden Juden eine ganz unbedeutende Minorität sind im Verhältnis zu jener grossen Menge von Bedürftigen. Diese Feststellung genügt, um die antisemitischen Thesen zu widerlegen, wenn man einen systematischen Hass noch als These bezeichnen kann. Es ist selbstverständlich, <Jass, wenn Drumont, der, wie wir annehmen, in gutem Glauben gehandelt hat, diese Thatsachen gekannt hätte, er nicht für alle öffentlichen Calamitäten die bedürftigste und unterdrückteste Rasse würde verantwortlich gemacht haben. Woher rührt diese Verblendung? Ein intelligenter Mann, der Antisemit war, ehe er beobachten und nachdenken lernte, wird uns Aufklärung geben. Vor einigen Jahren brach in Kunawine ein heftiger Aufstand gegen die Juden aus. Um die Ursache der Unruhen kennen zu lernen, vertraute der Minister einem Beamten Namens Sogoloub, der beim Civilgericht in Petersburg angestellt war, die Untersuchungen am Orte des Aufruhrs an und beauftragte ihn, der dortigen Gerichtssitzung beizuwohnen. Wir lassen einige Auszüge aus den „Erinnerungen", die Sogoloub selbst im „Kusskoje Bogatstwo" veröffentlichte, folgen: „Ich will ganz frei bekennen, dass ich, als ich von Petersburg abreiste, den Juden wenig günstig gesinnt war. Meine ersten Eindrücke nach meiner Ankunft in Kunawine waren nur dazu geeignet, meine Antipathie noch zu verstärken. Aber als ich die aufgenommene Untersuchung weiter verfolgte und vor meinen Augen die Angeklagten, die Zeugen und die Überfallenen und ruinierten Juden passieren liess, als ich am Abend über alles, was ich am Tage gesehen und gehört hatte, nachdachte, da drängte sich mir die Ueberzeugung auf, dass meine Antipathie nur das Product des Milieus, in dem ich in St. Petersburg gelebt hatte, gewesen war, und dass die Wirklichkeit keineswegs

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